Man kann nicht alles haben

Mir begegnen in letzter Zeit immer wieder Menschen – vorwiegend Männer – die ein Leben ohne Zärtlichkeit und körperliche Nähe führen. Sie haben sich aus Loyalität ihrer Frau und Familie gegenüber dazu entschieden. Auf den ersten Blick fehlt es ihnen sonst eigentlich an nichts.

Da wäre z.B. Torsten. Er hat eine Ehefrau und zwei Kinder, einen guten Job und ein schönes Haus mit einem traumhaften Grundstück und einem makellosen Garten. Die Abzahlung des Ganzen verschlingt einen großen Teil seines Einkommens. Dafür arbeitet er hart im Schichtdienst und in seiner Freizeit tut er all das, was ein guter Ehemann eben so tut. Sich um den Garten kümmern, die Familie umher kutschieren, die Kinder fördern und ihnen beinahe jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Er zahlt jedes Jahr für 2 x Urlaub, er kauft immer wieder ein tolles neues Auto, es muss für alle immer das neueste Handy sein, die Kinder bekommen den besten Laptop, die aktuellsten Tablets. Ihnen soll es an nichts fehlen.

Hin und wieder geht er schon auch mal mit Kumpels auf ein Bier oder zum Kegeln raus. Und er lädt die Verwandtschaft zu Familienfesten zu sich nach Hause ein und alle sind begeistert von dieser Bilderbuch Familie. Ein Traum.

Nach außen – alles tipp topp.

Wäre da nicht der Entschluss, den seine Frau schon vor mehr als sieben Jahren für sich getroffen hat. Keine Nähe mehr, keine Zärtlichkeit, kein Sex. Sie möchte das nicht mehr. Es war ein schleichender Prozess. Ihr ist das ganze Thema mittlerweile lästig und sie möchte darüber auch nicht mehr verhandeln. Und, dass er da etwas vermisst, ja das findet sie schon schade. Aber ändern kann und will sie daran nichts.

Und nun? Kann ein Mensch ohne Liebe leben?
Muss er das einfach aushalten?

Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen?
Auf Gedeih und Verderb?
Bis zum bitteren Ende?

Oder doch nur bis die Kinder groß und aus dem Haus sind?
All seine Träume, Wünsche und Bedürfnisse werden bis dahin weg gesperrt?
Die Lebenszeit, bis es soweit ist und er gehen kann, die rinnt durch die Sanduhr.
Unwiederbringlich.

Was würdet ihr ihm raten?
Ich frage für einen Freund.
Für Torsten.

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Eine Antwort zu Man kann nicht alles haben

  1. Ruthie schreibt:

    Eigentlich sollte er sich holen dürfen, was er braucht. Bleibt die Frage, wie die Ehefrau das sieht…

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