Mein Weg- eine Fieberkurve

Wenn ich mal ein Fazit ziehe, dann habe ich es bisher auch gewichtsmässig in meinem Leben ganz schön bunt getrieben.

Als ich 20 war wog ich zwischen 70-75kg bei 1,75m. Die Tatsache, dass ich mein Gewicht, das ich zu der Zeit hatte nicht kannte, spricht schon Bände. Das war demnach die einzige Zeit (von der Geburt bis ich ca. 20 war) in der ich mich nicht drum kümmern musste. Ich passte in die Jeans meines Freundes und späteren Mannes und das bedeutete:
Fett war ich nicht. Aber weiblich allemal.

Dann folgte die Heirat und innerhalb von 4 Jahren kamen meine beiden Söhne. Es ging aufwärts in meinem Leben. Leider auch mit dem Gewicht. Mit den Jahren sammelte sich ne Menge an. Ich studierte „nebenbei“(neben 1-tem Kind und dem Haushalt + Garten), brachte sogar einen passablen Abschluß zustande und futterte oft auch aus Stress und Zeitmangel das Falsche.

Studium zu Ende, Haushalt, Kindern + Vollzeit arbeiten gehen. Immer im Sauseschritt. Die Ehe zerbrach (aber schon vor Studien-Ende), Frustfressen war angesagt. Die Jahre gingen ins Land und ich hatte immer Männer, die DAS mochten. Die Rundungen, die weibliche Figur.

Ich war und bin (jetzt bis zu einem gewissen Grade) auch nicht so „der Schwabbel“, was ich wohl meinem guten Bindegewebe zu verdanken habe. Und so war die Not nicht so groß, unbedingt abnehmen zu müssen. Das ging so bis 1990. Da hatte ich dann propere 110kg.

Ja, da stand ich dann also mit 110kg Kampfgewicht und war wild entschlossen, nun endlich was dagegen zu tun. Ich hatte von einer Methode gehört, wo man einen Tag gesunde, fett- und zuckerarme Sachen ißt und dann am anderen Tag garnichts ißt, sondern nur trinkt. Diese Methode stellte ich meiner Ärztin vor und sie sagte, es spräche nichts dagegen. Voraussetzung war, dass ich gesund war. Und das konnte und kann ich zum Glück von mir sagen.

Innerhalb eines Jahres nahm ich mit der Methode 31kg ab und war dann nach Adam Riese & Eva Zwerg nur noch 79kg schwer=leicht. Ich muss sagen, es ging mir gut dabei. Natürlich machte ich zusätzlich Sport. Ich war in einem Fitness-Center angemeldet und ging in meinen verrückten Spitzenzeiten bis zu 5 x pro Woche hin. Es schien mir, dass ich regelrecht süchtig nach Sport war.

Nachdem das Jahr um war, hörte ich aber damit auf, obwohl ich mein Zielgewicht von 74kg noch nicht ganz erreicht hatte. Und das hatte mehrere Gründe. Ich stellte fest, dass ich ein regelrechtes Glücksgefühl empfand, wenn ich mal versuchte 2 Tage nichts zu essen und nur zu trinken und dann wieder einen Eßtag einlegte. Das machte ich dann immer wieder. Dazu mehr und mehr Sport. Außerdem, es mag komisch klingen, sah ich mittlerweile im Gesicht so spitz aus, dass Bekannte mich fragten, ob ich Krebs oder ne andere schlimme Krankheit hätte. Ich sähe so schlecht und krank aus. Also zog ich die Notbremse, denn meine Ärztin meinte, dass der Übergang in die Magersucht irgendwann auch schleichend passieren kann. Gerade wenn es solche Anzeichen gibt, dass man nicht mehr wirklich gerne ißt und anfängt, das Essen gedanklich als schlecht und negativ zu empfinden. Leider konnte ich meine 79kg nicht halten und die kommenden Jahre, viele Jahre, waren wieder die fetten Jahre. Immer mal wieder probierte ich eine Diät. Alle möglichen Diätformen. Was man eben so hört und liest. Brigitte-Diät, Kohlsuppe etc.

Aber diese, doch irgendwie einseitige Ernährung, bescherte mir früher oder später Heißhungerattacken und ich habe das, worauf ich vorher verzichten musste, wieder in mich rein gestopft.

Warum? Ja, dafür habe ich auch eine Theorie. Ich bin da mein eigener Hobby Psychologe.

Warum gerade ich??

Das fragt sich sicher jeder Dicke mal. Und so auch ich.

Es gibt ne Menge Erklärungen dafür. Eine ist die genetische Veranlagung. Meine Eltern haben beide schon immer mit dem Gewicht zu kämpfen.

Ein anderer Punkt ist die Ernährung in der Kindheit. Ich war ein sehr zartes, kleines Ding. Heute kaum vorstellbar, aber ich wurde bei Schulbeginn ein Jahr zurück gestellt weil ich körperlich so ein Fähnchen im Wind war. Damals hieß es immer: „Du musst essen. Iß mal schön deinen Teller leer. Du bist ja so dünn“ Und sowas alles. Klar, das war auch so. Aber ich denke, aus dieser Zeit stammen bestimmte Gewohnheiten. Man verlernt das „Ich-bin-satt-Gefühl“. Und irgendwann ißt man ohne Sinn und Verstand mehr als gut ist und alles was lecker ist. So sehe ich das.

Später dann bemerkt man, dass Essen auch so ein Trostspender sein kann, wenn man mal gefrustet ist. Oder man fühlt sich unglücklich und ißt Schokolade. Da kommt man auch schnell in eine kleine Abhängigkeit rein. Das war bei mir im Teeniealter so. Aber alles lag noch im Rahmen. Ich erinnere mich, dass ich weiblicher aussah als viele meiner Freundinnen und das kam gut an. Ich war ja mit 1,74 m nicht gerade klein und alles war gut verteilt.

Das ging so bis zum ersten Kind.
Danach wurde es einfach peau a peau mehr und irgendwann echt zuviel.

Zeitsprung.
Wie schon berichtet, war ich 1990 auf 79kg runter. Das war toll. Ich ging wieder schwimmen, fühlte mich sehr wohl und strahlte das auch aus. Es war ne geile Zeit. Kann man so sagen. Aber ich war Single und das ist auf Dauer nicht mein Ding. Als alleinerziehende Mama von zwei Söhnen findet man nur schwer nen ernst zu nehmenden Partner. Mal ne Affäre, aber für mehr reichts dann meistens nicht (das ist aber ein ganz anderes Thema).

Fakt ist, und das gestehe ich mir ein, ich war in den folgenden 10 Jahren oft gefrustet, einsam und manchmal auch überlastet wegen der Alleinverantwortung für die Kids. Aber man kann einfach nicht alles. Die belastbare und trotzdem immer gut gelaunte Mama sein, die Alleinverdienerin (Vater drückte sich vor den Unterhaltszahlungen) kurz– eine gute Mama für die Jungs. Die Kinder sollten ne tolle Kindheit haben und nicht unter der Trennung vom Vater leiden. Das war mein Ziel. Ob mir das gelungen ist, das könnten an der Stelle wohl nur meine Jungs beantworten. Aber ich sage mal so. Ich fürchte ihr Urteil nicht.

Ja, und wenn es dann eben mal wieder anstrengend und hart und frustrierend war, dann habe ich gegessen. Gut gegessen, gern gekocht, viel gegessen und oft ungesund gegessen. Da bleibt das Übergewicht auf lange Sicht nicht aus. Gesundheitlich ging es mir immer gut. Weder Bluthochdruck noch sonstwas an Krankheiten. Und so gab es außer dem optischen Faktor keinen echt dringenden Grund abzunehmen.

Kurz und (nicht) gut: Im Herbst 2005 war ich auf …..mir wird ganz schlecht, wenn ich es schreibe…. 148kg.. HUNDERTACHTUNDVIERZIG.

Von Nov. 2005 bis Sommer 2006 habe ich dann mithilfe von Akupunktur und low carb diet 33kg abgenommen. Wie das zustande kam, kann man in meinem alten Sonntagskind Blog nachlesen. Dort sieht man auch die sog. Vorher-Nachher Fotos.

Kurz zusammengefasst kam das so zustande. Eine Freundin (gebürtige Russin) hat mir von einer Methode zum Abnehmen erzählt, wo mit Akupunktur gearbeitet wird. Sie selber hatte es selber ausprobiert und war begeistert. Da ich aber ein „ungläubiger Thomas“ bin und alles selber ausprobieren muss, war ich hin und her gerissen, ob ich das auch machen sollte oder besser nicht. Der Haken an der Sache: Man muss nach Russland reisen. Eine Ärztin in Twer, 160km nordwestlich von Moskau, behandelt Patienten in ihrer Spezial-Klinik. Und die Leute kommen aus aller Welt dorthin.

Im Nov. 2005 bin ich mit meiner Freundin dahin gereist. Zusätzlich zu einer kleinen goldenen Akupunkturnadel, die im Ohr verbleibt, bekommt man spezielle Diätvorgaben (kann man in meinem o.g. Blog nachlesen). Die Akupunkturnadel muss leider alle 8-12 Wochen aktiviert werden. Das heisst, man muss wieder in die Klinik reisen. Anders geht es nicht.

Die Methode ist sehr erfolgreich, denn ich habe wie gesagt 33kg damit abgenommen. Man muss keinen Sport machen, denn der würde angeblich den Organismus zu sehr belasten. Durch die Diät, die so gut wie garkeine Kohlenhydrate zulässt (kein Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Kuchen, Torte, Brötchen) und bei der man sich ausschließlich von Salaten, magerem Fleisch, sehr viel Obst und Gemüse, Eiern, Käse und Quark ernährt, kann der Körper eine Anstrengung durch Sport nicht so gut verkraften. Es könnte Kreislaufprobleme geben. Damit einen aber die „Pelle“ nicht schlaff runter hängt, empfiehlt die Ärztin auch dafür Akupunktur. So ließ ich mich an den Stellen, wo ich Gewicht verlor auch mit Nadeln behandeln. Und ich muss sagen: Es funktionierte ausgezeichnet. Ich war sehr zufrieden. Mehr noch. Ich war echt begeistert.

Leider sprengten die Kosten irgendwann meine Möglichkeiten. Alle 8 Wochen eine Flugreise nach Twer mit all den Begleitkosten, das wurde mir auf Dauer zu teuer. Und das war der Grund, weswegen ich diese Methode irgendwann aufgab. Ich hatte auch gehofft, es ohne die Nadel und deren appetitregulierende Wirkung zu schaffen. Aber das war ein Irrtum. Die Wirkung der Nadel lässt nach 8 Wochen wirklich nach, geht allmählich weg und der Appetit kommt wieder wie davor. Dann arbeitet der innere Schweinehund wieder aktiv und alles beginnt von vorn. Das alte Drama.

Im Februar 2008 hatte ich von den 33kg abgenommenen Kilos 20kg wieder drauf. Und bevor die verbleibenden 13kg auch noch wieder auf die Hüften kamen, entschloss ich mich zu WW (den “Gewichts-Beobachtern“) zu gehen. Jahrelang hatte ich immer wieder beteuert, dass man mich da nie hin kriegen würde. Das lag auch daran, dass ich immer geglaubt hatte, man würde da vor der Gruppe öffentlich gewogen. Solche Gerüchte gingen in meinem Bekanntenkreis immer um, und ich war drauf rein gefallen. Stimmt ja so garnicht. Man wird zwar gewogen, aber das geht sehr diskret zu. Fazit, diese Methode ist, wenn ich mal ganz ehrlich bin, die beste für mich. Damit habe ich von Feb. 2008 bis ca. September 08 insgesamt 14kg abgenommen.

So ging das also. Hoch – runter – hoch. Wie auf der Achterbahn.

Von 148 auf 115 runter mit der Akupunkturnadel + no carb diet. Dann wieder +20kg durch Nachlässigkeit drauf. Von Febr. bis September 2008 konnte ich 14kg bei den „Gewichts-Beobachtern“ abarbeiten. Und dann kam wieder ein Formtief, zur Folge hatte, dass ich peau a peau wieder zugenommen habe. Wenn auch nicht in rasantem Tempo, aber schleichend.

März 2010 wieder zurück zu den Gewichtsbeobachtern. Und dort habe ich bis Mai 2012 20kg abgenommen. Dann Schnitt – und ich hab mich dort abgemeldet. Nicht, weil ich mit der  Methode nicht mehr klar kam, aber ich mochte wieder auf eigenen Beinen stehen. Und wollte versuchen es es ohne die Nabelschnur zu WW zu schaffen. Ohne diese Abhängigkeit. Die monatlichen Beiträge, die zu zahlen waren, haben mich weniger finanziell gedrückt. Eher habe ich sie als eine Art Bestrafung empfunden. Strafe dafür, dass ich allein zu blöd war klar zu kommen mit meinem Gewicht. Und dieses „ich kau euch alles vor und ihr schluckt das dann“ bzw. „wir wissen was jeder Einzelne von euch braucht und wenn ihr das nicht brav macht, dann bleibt halt dick“ – das habe ich als ätzend empfunden.

Dann habe ich mich frei geschwommen. Ich habe sehr viel im Internet recherchiert und enorm dazu gelernt. Weniger Kohlenhydrate waren wieder mal mein Weg. Das wurde  schnell klar. Aber nicht mehr so wie seinerzeit mit der Akupunktur zusammen. Über ein halbes Jahr lang hatte ich aber keinen rechten Plan. Bis ich im Januar 2013 endlich wieder mal über LCHF gestolpert bin. Und es war wie ein AHA Moment. Ich hatte seit 2009 immer schon mal in LCHF Blogs gelesen, fand aber damals die Ernährung zu extrem mit all dem Fett usw.  Und nun wusste ich, es ist einen Versuch wert und startete.

Ich habe erst abgenommen, dann wieder zugenommen, was an meinen eigenen Fehlern lag. Aber ich war dann erst mal weg von den Kohlenhydraten. Und das ohne einen gefühlten Verzicht. Es fiel mir zum Glück nicht schwer. Ich weiss heute: Ich war abhängig von den Kohlenhydraten. Sie sind es, die mich unruhig machen, die mich beeinflussen und mir Freßattacken bescheren. Ohne sie geht es mir unvergleichlich besser. Daher ist das mein Weg. Soviel steht mal fest.

Wenn ihr mir was wünschen wollt, dann neben Gesundheit auch Glück. Der Erfolg auf der Waage ist mir immer noch wichtig, steht aber nicht mehr an erster Stelle.

3 Antworten zu Mein Weg- eine Fieberkurve

  1. oliver2punkt0 schreibt:

    Na ich wünsch Dir auf alle Fälle viel Glück und Durchhaltevermögen! Wobei man letzteres gar nicht benötigt, wenn es Spaß macht etwas für seinen Körper zu tun.
    Ich würde sagen, versuch nicht abzunehmen, sondern versuche Deinem Körper gutes zu tun. Das andere kommt dann von selbst.

    Oliver 2.0

  2. Myriade schreibt:

    „Auf dem Gazellenpfad“ ist ein grenzgenialer Name für das Thema. Gefällt mir sehr ! Einige von den Rezepten klingen mir sehr g´schmackig und ein paar Kilos weniger würden mir sehr gut bekommen 🙂

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