Die Angst vor der Liebe

Sie ist immer da. Wenn die Verletzungen in der Vergangenheit allzu heftig waren und auch aus dem wunderbarsten Traumpaar dann nach Jahren ein Albtraumpaar wird, dann verliere ich den Glauben an die Existenz einer Liebe, die von Dauer ist. Und ich will nicht nochmal alte Fehler machen. Erst vertrauen und ihm alles glauben und in Augen schauen, die mir ein warmes Gefühl machen. Wo ich mich aufgehoben, verstanden,  geborgen und sicher fühle…. gefühlt habe. Ein Mensch, dem ich nichts Schlechtes zugetraut hatte. Alles hat so wunderbar und hoffnungsvoll begonnen. Sogar dramatisch, aufregend und herausfordernd. Und er hat sich gleich am Hochzeitstag als der Held bewiesen, für den ich ihn immer gehalten hatte. Mein Bund- unser Bund – war besiegelt und ich war so stolz und glücklich, dass ich ihn endlich gefunden hatte. Den Meinen.

Das ist beinahe 20 Jahre her. Jahre in denen viel passiert und noch viel mehr schief gegangen ist. Rückblickend kann ich das erkennen. Er sicher auch. Ich weiss es nicht.

Wir haben uns nicht scheiden lassen. Ist nur ne Formalität. Aber wir sind beide sicher sowieso nie wieder wirklich vertrauen zu können. Und die Ehe wird auch nie mehr unsere Lebensform sein, die wir leben wollen. Da ist viel kaputt gegangen.

Wir sind jetzt vernünftig. Wir haben das Lieben ad acta gelegt. Für immer. Sentimentaler Kram. Nichts für uns, die Erfahrenen, die die sich auskennen. Die wissen, wie der Hase läuft.

Wissen wir das wirklich? Und auch wenn wir auf diese besondere Liebe verzichten wollen…. können wir das denn auch? Ohne unter einem gewissen Mangel zu leiden?Das frage ich mich.

Es gibt sie immer wieder, diese Phasen in denen ich dünnhäutig bin, mich alleine fühle und neidisch auf Paare schaue, wenn sie einen vertrauten und verliebten Eindruck machen. Oder wenigstens einen harmonischen. Natürlich kann man nie hinter die Kulissen schauen. Ich bin selbst Meisterin im Schauspiel „Heile Welt & Eheglück“ gewesen. Man will ja nicht zugeben, dass es oft gewaltig schief läuft. Das eigene Versagen gibt man ungern zu. Wieder gescheitert? Wieder auf Sand gebaut? Nein, ich doch nicht!!!

Die schwachen und traurigen Phasen voller Einsamkeit und dem Gefühl – nichts und niemand liebt mich – werden abgelöst von den Phasen in denen mir das Single Leben als beste denkbare Lebensform erscheint. Und ich bin fest überzeugt, dass ich nie mehr was anderes möchte.

Und ich treffe Männer, die das genauso sehen. Und mit denen kann ich mich über dieses Lebensmodel austauschen. Doch ist uns damit geholfen? Nicht wirklich. Denn die Unverbindlichkeit macht uns wieder einen Strich durch die Rechnung.

Angst beherrscht uns auf der Suche nach einer neuen Liebe.
Verflixt! Wie komme ich da raus, aus dieser Spirale?
Hat jemand ne Idee?

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Verlobung gelöst – andere Dramaturgie

Der Sizilianer und ich  wir sind nicht mehr zusammen. (wobei das mit der Verlobung eh nur Spaß war…. nicht, dass einer noch denkt, das wäre echt gewesen.) Er gehört zu der Sorte Männer, die allzu zutraulich und übermütig werden, wenn sie spüren, dass eine Frau offen ist und über alle Themen frei und ohne Hemmungen reden kann. Und sich auch nicht scheut es, wenn es passt, mal zu tun.

Dann drehen sie auf und mehr und noch mehr und irgendwann ist die Grenze jenseits des guten Geschmacks erreicht. Und wenn man sie dann darauf aufmerksam macht, dann sind sie pikiert und fragen: „Was hast du denn auf einmal? Du warst doch sonst ganz locker.“ Ja, locker. Aber eben nicht niveaulos. Er sah das anderes und wollte mir weiter Ansagen unter der Gürtellinie machen. Haken dran. An den Sizilianer.

Dann geschah es, dass ich Anfang Mai Geburtstag hatte und mir das Schicksal einen neuen Mann an Land spülte. Ein wahres Geschenk. Exakt an meinem runden Wiegenfest. Und auch das durch einen Zufall bzw. ein kleines Missgeschick meinerseits. Er war zu der Zeit gerade mal den dritten Tage bei einer Datingseite online. Und ich markierte ihn versehentlich oder sogar ganz unbewusst als Favorit. Deshalb schrieb er mich an und meinte, er findet mein Profil dort sehr an- und vielversprechend. Daraus entwickelte sich ein sehr spannender und bereichernder Kontakt. Ich denke bzw. ich bin überzeugt, für beide Seiten. Das ist jetzt schon sechs Wochen her und ich empfinde es, als würden wir uns ganz lange kennen. Und diesmal ist alles ganz anders. Keine sexuellen Gelüste stehen im Vordergrund. Es ist wirklich der geistige Austausch, der mir so gut gefällt und mich regelrecht befruchtet. Wir sind uns noch nicht in live begegnet, weil das durch die Entfernung nicht möglich ist. Aber das macht nichts. Es wird irgendwann passieren, dass wir uns sehen. Und egal ob es dann ein Prickeln geben wird oder nicht, wir werden weiter in Kontakt bleiben. Er ist älter als ich und ich kann wirklich sagen, auch weiser. So oft hat er mich in der kurzen Zeit jetzt schon mit guten Hinweisen und Anregungen gefüttert, dass ich sagen kann, er ist mir ein wirklicher Freund geworden. Was diesen Kontakt so besonders macht, ist auch die Tatsache, dass er keinerlei Besitzansprüche stellt. Wir wissen, wir werden nie das klassische Paar abgeben. Und das wollen wir auch beide nicht. Da sind wir uns einig. Es ist und bleibt spannend. Dieser Mann ist übrigens Künstler, u.a. Dramaturg am Theater. Und so verändert sich auch gerade ein bisschen meine Lebensdramaturgie. Das kann ich jetzt schon sagen.

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Von Katzenkindern & Mäusen

Schon so oft habe ich mich gefragt, wie das funktioniert. Ich habe hin und wieder neue Leser hier und frage mich woher die kommen. Manche bleiben bei mir hängen, abonnieren meine Blogs und werden zu Dauergästen. Man kennt sich und liest sich gegenseitig. Ich verstecke mich meistens vor Suchmaschinen und ich werde durch die recht selten vorkommenden Namen meiner Blogs auch nicht gefunden. Klar, ich verwende Tags und kommentiere auch auf Seiten anderer Leute. So gibt es neue Verknüpfungen. So weit, so klar. Aber diese neuen Leser erscheinen mir oft wie handverlesen, genau passend für mich zu sein. Wie Kätzchen, die einem zulaufen und die man gerne in seinem Haus aufnimmt und fortan zur Familie zählen. Ohne lange nachzudenken. Du stellst ein Schälchen Milch hin und füllst es immer wieder.

Einige meiner Katzenkinder sind schon 10 Jahre bei mir. Und sind große, dicke Kater geworden. Aber ich möchte sie nicht missen. Keins von ihnen.

Manchmal gehe ich auch auf Streifzug. Aber ich bin als Maus unterwegs. Dann knabbere ich an einem großen Käse, fresse ein Loch rein, dringe langsam immer tiefer ein und entdecke neue, bereits existierende Gänge. Diese Gänge sind oft sehr verschlungen. Manches mal habe ich mich schon verlaufen und den Weg nach Hause nicht wieder gefunden. Dann musste ich bei anderen Mäusen und ihren Familien übernachten. Auf der Couch. Aber es war nie langweilig da. Ich habe immer sehr viel Interessantes erfahren und dazu gelernt. Neue Freunde gefunden. Wenn ich dann wieder zu Hause war, habe ich drüber geschrieben. Ich denke, das sollte ich wieder mal tun. Hab ich lange nicht.

 

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Der Sizilianer & die Nokia Opas

Mein Neuzugang, Klaus, bezeichnet sich selbst als Sizilianer. Er wurde zwar in Südhessen geboren und lebt da auch nach wie vor. Seine Eltern haben keinen einzigen Italiener in der Ahnenreihe. Aber er behauptet, Menschen aus dieser Gegend wären dem Temperament nach deutschlandweit die einzigen heißblütigen Südländer. *grins* Also auf ihn scheint das jedenfalls zuzutreffen. Die Schlagzahl – Wörter/Minute ist erheblich. Und ein Gag reiht sich an den nächsten. Dauerhaft bleibt das hoffentlich nicht so. Denn ich glaube, das wäre nur schwer auszuhalten. Noch kann ich aber sehr gut über seine Witze und Sprüche lachen, denn sie sind alles andere als flach. Hätte man unser Telefonat von gestern Abend aufgenommen, könnte man es an einen TV Sender als Comedy Beitrag einreichen. Ich lag auch eine Stunde später noch grinsend im Bett. Er hat einfach auf jede meiner Aussagen oder selbst auf gezielte Fragen aus dem Stand eine passende Antwort. Er bleibt mir da nix schuldig.  Es ist wirklich unglaublich. So einen Mann habe ich in meinem Leben noch nie getroffen.

Das war also das erste Telefonat. Und sicher nicht das letzte. Wir haben es nur deshalb beendet, weil er mich auf meinem altersschwachen Festnetz Telefon angerufen hat, was max. eine Stunde lang Akkukraft hat und dann von selber aus geht. Er hat nämlich – man höre und staune und grinse- sein Smartphone mit dem eigenen Auto überfahren und in Elektroschrottkrümelchen zerbröselt.  Deshalb wollte er von Festnetz auf Festnetz anrufen. Das ist bei älteren Herrschaften ja oft noch so im Hirn verankert…… böse böse hohe Kosten kommen auf dich zu, wenn du vom Festnetz auf ein Handy anrufst und noch nie was von einer Flatrate gehört hast, geschweige denn eine vertraglich vereinbart hast. Als ich verkündete, mein Festnetz Telefon genießt gerade noch sein Gnadenbrot bei mir. Und wenn es dann mal ganz das Zeitliche  gesegnet hat, dann war’s das mit der Festnetztelefonie. Dann gibts kein Neues. So .. aus, Ende, basta.

Darum bin ich’s  jetzt Schuld, dass er sich Donnerstag ein neues Smartphone kaufen muss.  Jaaaa neeeee,  is schon klar.

Komisch, ich gerate öfter an solche Männer, die ein ziemlich gestörtes Verhältnis zu modernen Telekommunikations Geräten haben. Ich könnte euch da Schoten erzählen!!! Ich nenne sie die Nokia Opas. Womit ich Männer meine, die Stein und Bein schwören, sie wären sehr wohl in der Lage ein Smartphone/Tablet oder einen hochmodernen Laptop zu bedienen, aber aus Prinzip würden sie diese ablehnen. Nennen sich dann oldschool. (Kicher. Immerhin kennen sie den Ausdruck schon mal. Was mich hoffen lässt). Aber was auch immer nun stimmen mag – ich habe es leider wieder und wieder beobachtet. Diese Müdigkeit und innere Ablehnung gegen alles Neue, gegen modernste Technik und den Umgang mit ihr, das ist die erste Stufe für den Verfall. Sie wollen nicht schon wieder lernen, wie das geht und sie scheuen sich – besonders die Männer – auch nochmal nachzufragen, wie das alles so funktioniert. Das ist ihnen peinlich. Sie, die sich ihr Leben lang als Väter und Familienoberhäupter mit Technik jeder Art am besten auskannten, können sich diese Blöße nicht geben und am Ende noch Enkel fragen, wie der Kram funktioniert.

Ganz so schlimm scheint es bei Klaus nicht zu sein. Immerhin hatte er schon mal ein Smartphone und wird „dank mir“ auch bald wieder eins bekommen. Er verkündete gestern gegen Ende des Gesprächs, dass er sich so gut wie verlobt mit mir fühlt und er müsse deshalb dicht am Puls der Zeit bleiben. Dies sei auch der Grund, dass er sich bemühen wolle, mir – seiner jungen dynamischen Verlobten – nahe zu sein, nahe zu bleiben und mit mir auf Augenhöhe mittels all dieser modernen Utensilien zu kommunizieren.

Stay tuned.

 

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Das weiße Blatt

…ist unbeschrieben.  Das war ich auch mal. Und bin es nicht mehr.

Ob ich das bedauere? Nein, tue ich nicht. Ich werde Ende dieser Woche 60. Wenn ich mir das auf der Zunge zergehen lasse, dann löst das verschiedene Gefühle bei mir aus. Teilweise bisschen Panik, andererseits aber auch eine wohlige Zufriedenheit über Gelegenheiten, die ich nicht hab ungenutzt vorbei ziehen lassen. Dadurch wurde das weisse Blatt ein bisschen bunter. Auch ein bisschen schmutziger und benutzter. Aber das sind einfach Gebrauchsspuren, Patina. Das hat doch was!!

Schrecklich wäre die Vorstellung, am Ende an der Geschirrabgabe als unbenutztes Teil zurück gegeben zu werden. Leben hinterlässt Spuren und das ist auch gut so.

Panik kommt auf bei dem Gedanken, es könnte bald vorbei sein mit dem Spaß. Und damit meine ich nicht den Spaß, den ich jetzt und sicher auch weiterhin mit meinen drei Enkelkindern haben werde…. oder Spaß im Urlaub…. mit Freunden usw. Ich meine schon den Spaß und die Freude am Flirten, daran neue Männer kennen zu lernen und endlich mal den lang ersehnten Mr. Right kennen zu lernen.

Gerade in diesen Tagen bin ich mit einem neuen Mann im Gespräch, der sehr viel Potential zu haben scheint. Wir sind bisher nur schriftlich in Kontakt. Noch nicht mal per Telefon. Aber was und wie er schreibt flasht mich total. Ich lese seine Posts immer und immer wieder und kann mich nur wundern. Woher kennt er meine Gedanken? Wie kann das sein, dass einer Ansichten hat, die beinahe 100%ig deckungsgleich mit meinen sind? Das ist beinahe gespenstisch.

Anfangs hat er mir geschrieben und mich mit jedem Wort provoziert. Da war ihm mein Nickname ein Dorn im Auge und Teile meines Profiltextes fanden vor seinen Augen keine Gnade. Und ich dachte (und schrieb auch): Wie langweilig muss einem sein, wenn man nichts Besseres zu tun hat, als wildfremde Leute blöd von der Seite anzulabern? Doch das war nur ein Test. Er wollte mein Zickenpotential und meine Schlagfertigkeit prüfen. Diese Prüfung habe ich mit Bravour bestanden. Was folgte war schwarzer Humor und ne Menge Sarkasmus. Mag ich beides. Und der Bursche ist sehr wortgewandt und weiß wovon er redet. Pluspunkte ohne Ende.

Daraufhin schilderte er die Erfahrungen, die er kürzlich mit Frauen gemacht hatte. Und was ihn daran störte. Ich folgte seinen Ausführungen mit einem breiten Grinsen. Die Frauen wollten ihn alle betüddeln, wie man bei uns hier sagt. Heißt, für ihn waschen, bügeln, kochen, putzen. Ihn in Windeseile der engeren Familie vorstellen, ihn an Weihnachten und Ostern einladen und dem Freundeskreis präsentieren. Familienanschluss also. Nach jedem gemeinsam verbrachten Wochenende gab es beinahe ein gebrochenes Herz, wenn er sich von ihr trennen musste und sie ohne ihm in die neue Woche starten sollte. Er mochte ihr nicht weh tun, fühlte sich aber an die Leine gelegt und vereinnahmt. Die Frauen klammerten sich mit Kraft an ihn, wie Ertrinkende. Ihm fehlte die Leichtigkeit und die Luft zum Atmen.

Schön! Genau das muss er von mir nicht erwarten. Ich dachte immer mit meiner Einstellung bin ich ein kariertes Maiglöckchen und finde niemals jemand, der das mögen würde. Denn ich finde, wen ich wann date und mit wem ich mich treffe und was ich dann mit demjenigen mache, wann es zu welchen Handlungen kommt…. das geht nur mich was an. Und auch wenn Teile meiner Familie mich gerne im sicheren Hafen einer festen Beziehung sehen möchten – wenn schon nicht in einer weiteren Ehe – ich strebe so eine Form der Partnerschaft nicht an. Definitiv nicht!!!

Und somit nähern wir uns immer weiter an und ich werde heute Abend mit ihm telefonieren. Selbst die geografische Entfernung von beinahe 300km, die zwischen uns liegt, macht uns keine Kopfschmerzen. Sonst hat mich schon alles, was mehr als 80km war, abgeschreckt und zögern lassen. Ich wundere mich selber. Bin echt gespannt und ein wenig skeptisch (wider Willen). Ich verdränge negative Gedanken, wie: Wo ist der Haken. Denn Gedanken werden Dinge.

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Der Meier II

Ich verbrachte also die Nacht bei ihm ohne nennenswerte blutdrucksteigernde Momente. Mir fiel auf, dass ich zwar gesagt hatte, seine 3-4 Zigaretten pro Tag würden mir nichts ausmachen, aber so ein Raucherhaushalt ist dann schon noch ne andere Nummer. Kissen, Sessel, Teppiche und sowieso alles, was man nicht waschen kann, riecht einfach nach Nikotin. Da gibts nichts schön zu reden. Und das ist alles andere als angenehm für eine Person wie mich, die schon 14 Jahre Nichtraucherin ist.

Das heisst, ich bin am anderen Tag von dort zu Arbeit gefahren und meine Jacke und sowieso alle Textilien, die ich an oder auch nur bei mir in der Tasche hatte, die schrien „wasch mich! befrei mich von diesem Geruch!!“ Und Gerd sagte, er wolle mir zu liebe das Rauchen einstellen. Das gefiel mir gut und ich war auch der Meinung, dass es viele andere Dinge gab, die er mal lieber nicht mir zuliebe sondern seiner Gesundheit zuliebe tun sollte. Ganz simple Dinge, wie z.B. Wasser trinken. In seiner Welt existierte kein Gemüse, kein Obst, es gab sowas wie Salat nicht und Wasser – was er Gänsewein nannte – war nur zum Waschen oder Kaffee kochen gut. Bei der Auswahl der Getränke, die er extra für mich gekauft hatte, war kein Wasser dabei. Säfte aller Art, Cola und Eistee. Nichts ohne Zucker. Ich meine, ich bin ja wirklich kein Gesundheitsapostel, so ganz ohne gesunde Sachen komme ich in meinem Leben nicht aus.

Na ja, ich will die Geschichte nicht allzu lange hinaus ziehen und euch jedes Fizzelchen erzählen. Er hatte an einem der folgenden Tage einen Termin in einer sehr renommierten Herzklinik hier in der Gegend. Das hatte er mir schon beim ersten Date erzählt. Auf meine besorgte Nachfrage hin stellte er den Termin als reine Routineuntersuchung hin.  Er müsse in die Röhre und es würde überprüft ob mit seinem Herzen alles okay sei. Denn er hatte bereits mehrere schwere operative Eingriffe am Herzen hinter sich und auch allerlei Bauteile eingesetzt bekommen. Tröpfchenweise ließ er große Teile seiner jahrelangen Krankengeschichte raus. Mir wurde ganz anders. Von wegen Routineuntersuchung…… es saßen wieder mal Gefäße zu und es mussten weitere Stents eingesetzt werden. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen und einem Herzkatheder. Er berichtete, dass er eigentlich schon länger nicht mehr leben sollte, er habe einfach nur Glück gehabt.

An dem Tag seines Termin hatte ich zufällig frei. Deshalb fragte er, ob wir uns nach seiner Untersuchung sehen wollten. Er schlug vor zu mir zu kommen und ich war einverstanden. Was an dem Tag dann geschah, war für mich aber sehr verwunderlich und gab mir Rätsel auf. Er fuhr vom KH nach Hause und meinte, er wolle nur ein paar Sachen holen. Als er bei mir eintraf, hatte er neben einer mittelgroßen Reisetasche auch einen Einkaufskorb mit Lebensmitteln dabei: Den kompletten Inhalt seines Kühlschranks. Fröhlich berichtete er, er habe zu Hause vor dem Haus seinen Nachbarn Matthias getroffen, der gefragt habe: „Wo gehts denn hin? Etwa in den Urlaub?“ Gerd meinte, er habe ihm gesagt: „Nein, ich verbringe das WE mit meiner neuen Freundin. Ich komme Sonntagabend oder auch erst Montag zurück.“

Das versetzte mich in Staunen, denn davon wusste ich bis dahin nichts. Ich hatte ihm auch vor Tagen klar gesagt, dass ich am Samstag würde arbeiten müssen.  Wie immer samstags. Ich erinnerte ihn an diese Tatsache. Aber das machte ihm nichts aus. Er jedenfalls freute sich aufs WE. Ich nicht so, denn ich fühlte mich von ihm regelrecht überrollt. Aber ich hielt mein ungutes Gefühl erstmal zurück. Wollte uns nicht den Tag verderben. Freitagabend habe ich uns was Schönes gekocht und die Unterhaltung war flüssig, aber recht einseitig, denn Thema war beinahe durchgängig sein früherer Beruf als LKW Fahrer. Anfangs hatten mich die unzähligen recht spannenden Geschichten noch amüsiert. Es gibt schon Kurioses, was ein LKW Fahrer so erlebt. Aber nach der 47. Story wird es dann auch mal langsam öde.

Das Ende das Abends zog sich hinaus. Mir war da noch nicht klar, wieso. Später fiel der Groschen langsam. Bereits am Nachmittag war ich schockiert gewesen über die Menge der Medikamente, die er mitgebracht hatte. Er musste morgens, mittags und abends eine Handvoll Pillen schlucken, weil das sein Gesundheitszustand wohl erforderte. Anders als bei anderen frisch Verliebten fielen wir nicht wie die Geisteskranken übereinander her. Das heisst, ich hätte schon gewollt. Er aber nicht so. **kicher* Und wie sich das für eine Dame fortgeschrittenen Alters wie mich gehört, übte ich mich also auch in vornehmer Zurückhaltung. Bis sich das „junge“ Paar dann zu Bett begab. Nachdem schon bei meinem Besuch in seinem Zuhause nicht der Punk abgegangen war…… außer ein paar zarten Küsschen, ein wenig  geflüstertem Schweinkram und kleinen Zärtlichkeiten war da nix passiert. **gähn** Deshalb hatte ich nun beschlossen: Die Reifeprüfung stand an. Butter bei de Fische!! Doch das einzige was da stand, waren meine Möbel im Schlafzimmer, meine Wasserflasche am Bett und am Display meines inneres Augen stand der Schriftzug:
WAS IST DENN HIER KAPUTT??
Antwort: Alles

Er teilte mir mit, dass er durchaus Verständnis dafür hätte, wenn ich unter den gegebenen Umständen eine Beziehung zwischen mir und ihm für unmöglich erklären würde. Er attestierte mir, dass ich eine lebenslustige und lustvolle Frau in den besten Jahren sei und man mir anmerkte, dass ich bestimmt noch viele Jahre meinen Spaß haben wolle und auf sexuelle Erfüllung nicht verzichten könne. Bingo?

An der Stelle sei erwähnt, dass sich die Situation für mich völlig anders darstellen würde, wenn ich jahrelang mit einem Partner zusammen leben würde und der dann im Laufe unserer gemeinsamen Zeit erkranken würde. Dann würde ich natürlich nicht sagen: „Pass mal auf. Ich bin dann mal weg. Du bist gesundheitlich eingeschränkt. Ich mag nimmer.“ Denn genau das könnte mir auch passieren. Dass ich krank werde und nicht mehr so kann wie ich möchte. Klarer Fall.

Ich habe mir diese ganze Thematik und auch meine weiteren Pläne mit Gerd gut durch den Kopf gehen lassen. Und zwar am Samstag, als ich arbeiten war und er allen Ernstes allein zu Hause in meiner Wohnung abhing und von 9-17 Uhr auf mich wartete. In der Zeit hat er die Wohnung nur verlassen, um auf der Terrasse zu rauchen. Er hatte es nicht geschafft zu duschen, nicht geschafft unseren gemeinsamen Frühstückstisch abzuräumen und auch sonst nichts. Er saß am Nachmittag noch im Schlafanzug auf der Couch vor dem TV und schaute Formel 1. Vor sich den leeren Joghurtbecher, der sein Mittagessen gewesen war. Dieses Bild sprach Bände für mich.
Gott sei Dank ist das so gelaufen, kann ich heute sagen.

Als ich etwas kochen wollte, meinte er: „Schatz, ich bestelle uns ne Pizza.“

Meine Angewohnheit (gefühlt ständig) Wasser zu trinken, war für ihn auch an diesem Tag wieder Anlass zu Spott und Häme. Und das nicht zum ersten Mal. Es nervte mittlerweile. (kleiner Schwank am Rande….. in der Herzklinik hatte man ihm an dem Freitag Blut abnehmen wollen. Ging nicht. Es kam aus ihm raus, dick wie Marmelade. Man bescheinigte ihm, er wäre völlig dehydriert und fragte, ob er wohl genügend trinke.  – Noch Fragen?)

Nach dem Verzehr der  Pizza, die mir schon gar nicht mehr schmeckte, weil ich innerlich schon intensiv darüber grübelte, wie ich den Mann möglichst stressfrei und elegant los werden konnte, landeten wir vor dem TV. Es kam eine höchst schwachsinnige Dokumentation über Schönheit-OPs im Ausland, die sich über Stunden hin zog und die er unter keinen Umständen verpassen wollte. Ich saß daneben und daddelte mit meinem Handy herum. KREISCH !!!!! SCHREI !!!! ZU HILFE !!!!!

Irgendwann stand ich wortlos auf, ging ins Bad und machte mich bettfertig. Ihm sagte ich noch gute Nacht, in dem ich den Kopf zur Wohnzimmertür rein schob. Er war völlig erstaunt und fragte, was denn passiert sei. Dann machte er enttäuscht und bockig den Fernseher noch vor Ende „seiner Sendung“ aus und stieg mit dem Schlafanzug, in dem er den Tag verbracht hatte, in mein Bett drehte sich von mir weg und sagte „Gute Nacht!!!“

HALLLLOOOOOOOO??? Gehts noch??

Er weiss gar nicht was er für ein Glück hat, dass ich so ein geduldiges und gutmütiges Schaf bin. Ich hätte ihn am liebsten noch an dem Abend mit seinem Kühlschrankinhalt an die Luft gesetzt. Hätte ich auch besser mal tun sollen. Aber nein, ich habe versucht zu schlafen und am Sonntagmorgen kam es nach einer Tasse Kaffee für ihn zum

F I N I S H

 

 

 

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Der Meier – Neues von der Dating-Front

Es ist wird nicht langweilig. Das Karussell der Dates dreht sich und dreht sich. Ich schaue viel und gerne zu, kaufe mir aber keine Fahrkarten mehr (nur kostenlose Seiten). Fahre dennoch hin und wieder mal mit, wenn man mich einlädt. Und ich springe auch regelmässig ab. Immer noch rechtzeitig, bevor größerer Schaden entsteht. Bei mir und anderen.

Letztens war ich sogar ein kleines bisschen verknallt. Und die Hormone spielten verrückt, vernebelten mir das Hirn. Rückblickend kann ich das gut erkennen. Währenddessen aber nicht wirklich. Gefährlich, so eine Situation. Aber ich habe noch den Absprung geschafft. Puh…. hatte schon eine erstaunliche Eigendynamik entwickelt, das Ganze.

Es war also einmal….. Gerd, ein Mann mit extravagantem Aussehen, Typ Karl Lagerfeld, nur jünger, weniger snobistisch und mehr am Leben. Volle schneeweiße Haare, die ihm als Pferdeschwanz, mehrfach zusammengehalten von schwarzen Gummis, bis halb in den Rücken reichten. Ein etwas längeres Bärtchen, was recht bald meinem Wunsch gemäß entfernt wurde. Seinem Aussehen nach schätzte ich ihn als ins Alter gekommenen Biker ein. Und ich sollte Recht behalten.

Gerd war schon im Ruhestand, was mich nicht sonderlich störte. Er siezte mich hartnäckig, als er mich anschrieb. Und auch mein Hinweis, man dürfe sich im Internet ruhig duzen, ließ ihn nicht gleich einknicken. Er machte noch eine Weile so weiter. Schrieb mir, wie gut ihm mein Profil auf der Datingseite gefiel, wie hübsch er mich fand, wie gerne er mich näher kennenlernen würde. Er lud mich zu einem Treffen beim Kaffee oder einem Dinner ein und gab auch gleich ungefragt seine Handynummer raus, damit wir auf WA weiter schreiben konnten. Alles in allem recht sympathisch. Und, ich muss das einfach mal erwähnen, er gehörte zu denjenigen, die nicht gleich das Thema auf Bereiche unterhalb der Gürtellinie lenken. Er sendete mir auch nicht ungebeten intime Fotos von sich. Was mir leider schon recht oft bei anderen Männern passiert ist und dem Spielchen dann direkt ein Ende setzt.

Wenige Tage später, an einem Sonntag, waren wir für den Nachmittag verabredet. Es war geplant, dass er mich mit seiner A-Klasse von zu Hause abholen wollte und wir gemeinsam zum Essen in mein Lieblingslokal fahren würden. Dabei bzw. davor passierte schon etwas, was mich gleich hätte stutzig werden lassen sollen. Wir waren für 14 Uhr verabredet und er schrieb mir schon ab 12 Uhr, er wäre schon startklar und er könne es gar nicht erwarten mich zu sehen….. usw. So gegen 13:15 Uhr teilte er mir mit, er habe sich verfahren, es würde knapp mit 14 Uhr. Und ich, die sich sowieso noch duschen und umziehen wollte, war froh drum. Allerdings wohnt er nur ca. 30km von mir entfernt und ich fragte mich wo er wohl rumkurvt.  Das Ende vom Lied. Ich war noch nicht richtig abgetrocknet, unvollständig geschminkt und ganz uns gar nicht fertig angezogen, da klingelte es an meiner Wohnungstür. Und ich glaubte, es sei eine Nachbarin. Schnell zog ich mir etwas über, damit ich die Tür öffnen konnte. Und als ich einen Schritt ins Treppenhaus gemacht hatte, sah ich Gerd vor der gläsernen Haustür stehen. Mit einem strahlenden Lächeln und  einem riesigen, wunderschönen Blumenstrauß in der Hand.

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance…. sagt man. Und ich war 45 Minuten vor dem vereinbarten Termin natürlich nicht fertig. Und ich sah nicht so aus, wie ich mir das vorgestellt hatte für diesen ersten Eindruck. Weder war ich so angezogen wie geplant, noch fertig geschminkt. Das fand ich alles andere als toll. Das könnt ihr mir glauben. Doch ich machte gute Miene zum bösen Spiel und lächelte tapfer zurück, als ich auf den Türöffner drückte.

Ich bin nun mal nicht der Typ, der Ärger runter schluckt. Und so konnte ich nicht umhin ihm klar zu machen, dass ich alles andere als begeistert war, dass er mich ausgerechnet beim ersten Treffen so überfallen hatte. Ausgemacht war, er hält mit dem Auto vor dem Haus, funkt mich per WA an und ich komme raus, steige ein und wir fahren los.

Nun saß er mit schlechten Gewissen in meinem Wohnzimmer. Bisschen tat er mir auch leid, aber ich wollte so nicht anfangen und ihn im Glauben lassen, alles sei wunderbar. Das wäre nicht ich.

Im Laufe des Dates schaffte er es aber meine Laune wieder auf Vordermann zu bringen. Und bald hatte ich ihm verziehen und meine Laune war wieder gut und entspannt.

Wir konnten uns bestens unterhalten, hatten ne Menge zu lachen. Die Atmosphäre war flirty. Er sah in natura besser aus, als auf den Fotos, die ich von ihm gesehen hatte. Natürlich ein echter Hingucker mit der weißen Haarpracht. Das heisst, auch auf der Straße schauten uns Leute hinterher.

In den folgenden Tagen gab er dann so richtig Gas. Er schrieb und rief an und ließ nichts aus. Machte Komplimente und schwärmte mir einen vor. Er hatte Ideen für gemeinsame Urlaube und Wochenendausflüge, die mir mehr als nur gut gefielen. Ich war hellauf begeistert. Zum Beispiel ein Urlaub in Schottland mit einem sogenannten Zigeunerwagen. Zweispänner davor. Und er kann mit Pferden umgehen. Alleine würde ich mir das nicht zutrauen. Oder ein Wochenende in Hamburg mit einem Besuch im Musical „Tina Turner“. Alles so Sachen, die genau nach meinem Geschmack wären. Und diese Vorschläge kamen spontan von ihm. Ich war voll geflasht. Sowas hatte ich noch nicht erlebt.

Ende der zweiten Woche lud er mich zu sich nach Hause ein. Wie ich erfuhr, hat er seine komplette Wohnung dafür einer Grundreinigung unterzogen. Sonst herrscht da auch nicht gerade das Chaos, aber eben eine gewisse „Junggesellen Ordnung“. Er hatte zwei Sträuße Tulpen gekauft. Gelbe und violette. Die ersten Blumen, die diese Wohnung je gesehen hat, seit er da wohnt. Und das sollen wohl schon annähernd 5 Jahre sein.

Er hatte für mich gekocht (Kartoffelsalat mit Würstchen) und eine Auswahl an Säften und alkoholischen Getränken eingekauft. Er wusste ja nicht, was ich mag und was nicht. Er wollte einen schönen Abend mit mir verbringen und sagte ausdrücklich, ich könne gerne bei ihm übernachten ohne fürchten zu müssen, dass er mich irgendwie bedrängt. Alles kann, nicht muss. Und so hatte ich mal ein kleines Übernachtungstäschchen gepackt. Was dann auch zum Einsatz kam.

Ich fand schön zu sehen, wie ihn die Begegnung mit mir inspiriert. Aber es machte mir auch beinahe Angst, wenn er nach wenigen Tagen davon sprach, dass er mich liebt. Liebe auf den ersten Blick. Er nahm Kontakt zur Hausverwaltung auf um einen zweiten Satz Schlüssel für seine Wohnung zu bekommen. Für mich. *schock-schwere-Not* Ich sagte ihm klar, dass ich das nicht will. So lange nicht, bis auch ich ihm einen Satz Schlüssel meiner Wohnung anvertrauen würde. Und das könnte noch ganz gewaltig lange dauern. Darüber war er traurig. Hm, da musste er leider durch………………tbc

 

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