Herbst

Immer zu dieser Jahreszeit kriege ich ein bisschen den Blues. Ich werde dann sehr kuschelbedürftig und brauche auch mehr Wärme als sonst. Das beginnt mit dem Tag, an dem ich aus der „ohne Socken Zeit“ in die „bestrumpfte Phase“ wechsele. Selbst die Heizung in meiner Wohnung allein kann dieses Bedürfnis nach Wärme und Geborgenheit dann nicht mehr stillen. Ich muss mich in Decken einhüllen und am besten bis zur Nasenspitze zudecken. Das tue ich dann eben einfach. Wer sollte mich denn auch daran hindern? Und so kann es passieren, dass ich sogar ehe es 20 Uhr ist, den Abend offiziell für beendet erkläre und in meine Bettlandschaft abtauche. Da kann dann auch das Telefon klingeln oder jemand an der Wohnungstür schellen….. ich bin nicht ansprechbar. Es sei denn, das Telefonat war vereinbart. Dann tauche ich aber auch nicht richtig auf und lasse mich eher von den Worten des anderen berieseln und streicheln und verwöhnen. Und NEIN…. es handelt sich nicht um erotisch eingefärbte Konversation, denn die mag ich telefonisch ganz und gar nicht. Meine cosy Stimmung bleibt jedenfalls erhalten und ich fühle mich wohl. Besonders, wenn der Wind um die Häuserecken pfeift und der Regen an den Scheiben abperlt. Früher, als ich ein Kind war, da hat der Wind noch an den Fensterrahmen gerüttelt und sie haben leise vor sich hin geklappert. Was mir sehr gefallen hat. Und ich war froh, im Warmen und Trockenen sein zu dürfen.

Ich hatte in meinem Zimmer ein großes Doppelfenster. Und zwischen den hintereinander liegenden, und einzeln zu öffnenden, Fensterflügeln bildeten sich nach Sturm und heftigem, nächtlichen Regen manchmal kleine Pfützen, die es am Morgen aufzuwischen galt.

Erinnert sich jemand daran? Oder seid ihr alle Generation Doppelverglasung?
Bei dieser Gedankenreise in meine Kindheit fallen mir gleich noch andere schöne, und heute eher seltsam anmutende, Erinnerungen ein. In meinem Zimmer gab es weder Ofen noch Heizung, noch elektrischen Heizlüfter. Und wenn es Winter wurde, dann bildeten sich durch die Atemluft Eiskristalle am den Fensterscheiben und sogar an den Wänden des Zimmers. Raureif könnte man sagen. Mir machte das aber gar nichts aus, denn ich schlief unter wahren Bergen von Daunen, denn meine Bettdecke hätte Frau Holle sehr gut getaugt um den Schnee vom Himmel fallen zu lassen.

Ich war selten krank. Die Kälte im Zimmer sorgte für ein gutes, gesundes Klima. Keine ausgetrockenen Schleimhäute von zu trockener Heizungsluft. Heute würde man es als unzumutbar ansehen, Kinder in so einem Eiskeller schlafen zu lassen. So ändern sich die Zeiten.

Was ich aber eigentlich sagen wollte…… ich verzettele mich nur allzu gerne….. Ich hätte jetzt in dieser Jahreszeit gerne einen zotteligen Kuschelbär, der mich wärmt. Und er sollte bitte nicht von Steiff sein (wobei ein bisschen Steifheit an bestimmten Stellen von großem Vorteil sein kann) aber er sollte atmen können, sich gut anfühlen und mich küssen. Solange, bis mir überhaupt nicht mehr kalt ist.

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Eine Antwort zu Herbst

  1. Ruthie schreibt:

    Der letzte Absatz gefällt mir am besten 😎
    Wobei es in unserem Kinderzimmer genauso war wie bei dir – eisig und Berge von Bettfedern ☁☁Wir waren allerdings oft krank – meistens Mandelentzündung – aber wir waren da ja auch zu dritt im Zimmer!

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