Sisterhood

Seit einiger Zeit bin ich auf völlig neuem Terrain unterwegs.
Ich versuche aktives Mitglied in Frauengruppen zu sein. Das geht bisher noch etwas holperig, aber es geht immer besser mit der Zeit. (dachte ich jedenfalls)

Nach mehr als 20 Jahren Arbeit in reinen Männerteams, komme ich mit der oft pragmatischen Art der meisten Männer sehr viel besser zurecht, als mit den emotionsgeladenen Aktionen der meisten Frauen. Unter Männern gibt es zwar Konkurrenzgerangel und Platzhirsch Verhalten, aber nur selten Gezicke und neidvolles Hauen und Stechen. Kein großes Drama. Eher mal harte, klare Ansagen und Krach, worauf sich irgendwann wieder Frieden einstellt.

Also, ich bin auf FB da einer speziellen Sisterhood Gruppe beigetreten um mich zu üben, im Schwestersein. Natürlich kommen die Frauen aus einem speziellen Umfeld, einer Community, die ich schon länger kenne. Es ist also eine Art Untergruppierung.

Und es lief auch richtig gut. Muntere Gespräche, interessante Themen und ein erfrischend offener Austausch. Eine Frau fiel mir immer wieder besonders auf und ich wollte mehr von ihr wissen. Wir koppelten uns bisschen ab und unterhielten uns außerhalb der sozialen Medien. Das war es dann schon bald wieder mit den Gruppenaktivitäten. Denn es stellte sich heraus, waren wir nicht aktiv, war da sonst auch wenig los. Wir hatten zu den Zugpferden gehört. Waren wir weg, war die Aktion mit uns verschwunden.

Und dann gab es auch schon die ersten Zickereien. Es geht – vielleicht nicht immer, aber oft – nach dem Motto: Wir sind sisters und wir haben uns alle schrecklich lieb. Wir sind der gleichen Meinung, besser noch der selben.

Ich neige dazu, eine eigene Meinung zu haben und sie auch zu vertreten. Selbst dann, wenn sie stark abweicht. Und je älter ich werde, umso weniger mag ich mich in die Herde einreihen. Und noch weniger mag ich es, meinen Mund zu halten, wenn mir was unter den Nägeln brennt.

Frauen trauen sich heute mehr zu, als noch vor Jahren. Und das ist gut und erfreulich. Und das sollte man unterstützen. Aber nicht unter allen Umständen. Denn einige Frauen (genau wie Männer) neigen gerne zur Selbstüberschätzung und glauben all denen, die ihnen gesagt haben: „Mach das. Du kannst das. Und du bist unfassbar gut darin!“

Bestes Beispiel. Da glaubt eine Frau, sie sei eine talentierte Sängerin. Sie singt zu Hause ihrer Familie vor und die erkennt sogar das interpretierte Lied auf Anhieb. Da lässt sich was draus machen. Die Frau muss eine Weltkarriere anstreben und die Bühne erobern. Erstmal gleich zu D.S.D.S und von da weiter und weiter die Karriereleiter nach oben.

Das sie nicht so genau jeden Ton trifft und auch den Text nicht so wirklich gut beherrscht, das ist nicht so schlimm. Sie lernt ja noch. Und dafür gibt es – wie für alles andere auch – Coaches. Seit mal nicht so kritisch. Und sagt ihr bitte nicht, dass ihre Chancen schlecht stehen. Das würde ihr das Herz brechen. Sie ist doch unsere Sister. Wir müssen zusammen halten und uns gegenseitig unterstützen. Oder etwa nicht?

Im konkreten Fall ging es nicht um Gesang. Aber dennoch um den Auftritt vor einer großen Menschenmenge und die Vermittlung von Inhalten, verteilt auf mehrere Termine. Kostenpflichtig für die Teilnehmer. Wie bei „Des Kaisers neue Kleider“ schauten alle begeistert zu und folgten ihren Worten gespannt. Ich wartete darauf, wann ich den roten Faden in ihrem Vortrag finden konnte. Doch ich konnte ihn nicht entdecken. Alle anderen sagten, sie konnten ihn sehen. Ich nicht. Bis heute nicht. Meine Bitte, mir doch zu helfen, auf den rechten Weg zu finden und mit allen anderen Spaß an diesen Vorträgen zu finden, verhallte ungehört.

Mag sein, mir fehlt das nötige Verständnis und die Geduld. Als ich es aber wagte, die These in den Raum zu stellen, man solle doch erstmal lernen, wie das geht: Vorträge vor Menschen zu halten, sich entsprechend vorzubereiten, eine Struktur in den Stoff zu bringen und Kapitel für Kapitel dann anzubieten…… dann hieß es: Ich sei gemein. Ich verstünde nicht, dass es nicht so einfach wäre, sowas anzubieten und dass sowieso noch kein Meister vom Himmel gefallen sei. Man wies mich deutlich in meine Schranken und unterstellte mir Neid und Missgunst. Stutenbissigkeit. Denn die Frau wäre schließlich wer. Man müsse ihr Respekt zollen. (siehe auch „Des Kaisers neue Kleider“)

Ach ja?
Muss man das?
Komme, was da wolle?

Das Klima in der Gruppe ist irgendwie abgekühlt.
Und es herrscht betretenes Schweigen.
Man könnte beinahe eine Stecknadel fallen hören.

Projekt Sisterhood ist dieses Mal jedenfalls für mich noch nicht auf der Erfolgsstrasse angekommen. Bin ich wohl falsch abgebogen?

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