Das weiße Blatt

…ist unbeschrieben.  Das war ich auch mal. Und bin es nicht mehr.

Ob ich das bedauere? Nein, tue ich nicht. Ich werde Ende dieser Woche 60. Wenn ich mir das auf der Zunge zergehen lasse, dann löst das verschiedene Gefühle bei mir aus. Teilweise bisschen Panik, andererseits aber auch eine wohlige Zufriedenheit über Gelegenheiten, die ich nicht hab ungenutzt vorbei ziehen lassen. Dadurch wurde das weisse Blatt ein bisschen bunter. Auch ein bisschen schmutziger und benutzter. Aber das sind einfach Gebrauchsspuren, Patina. Das hat doch was!!

Schrecklich wäre die Vorstellung, am Ende an der Geschirrabgabe als unbenutztes Teil zurück gegeben zu werden. Leben hinterlässt Spuren und das ist auch gut so.

Panik kommt auf bei dem Gedanken, es könnte bald vorbei sein mit dem Spaß. Und damit meine ich nicht den Spaß, den ich jetzt und sicher auch weiterhin mit meinen drei Enkelkindern haben werde…. oder Spaß im Urlaub…. mit Freunden usw. Ich meine schon den Spaß und die Freude am Flirten, daran neue Männer kennen zu lernen und endlich mal den lang ersehnten Mr. Right kennen zu lernen.

Gerade in diesen Tagen bin ich mit einem neuen Mann im Gespräch, der sehr viel Potential zu haben scheint. Wir sind bisher nur schriftlich in Kontakt. Noch nicht mal per Telefon. Aber was und wie er schreibt flasht mich total. Ich lese seine Posts immer und immer wieder und kann mich nur wundern. Woher kennt er meine Gedanken? Wie kann das sein, dass einer Ansichten hat, die beinahe 100%ig deckungsgleich mit meinen sind? Das ist beinahe gespenstisch.

Anfangs hat er mir geschrieben und mich mit jedem Wort provoziert. Da war ihm mein Nickname ein Dorn im Auge und Teile meines Profiltextes fanden vor seinen Augen keine Gnade. Und ich dachte (und schrieb auch): Wie langweilig muss einem sein, wenn man nichts Besseres zu tun hat, als wildfremde Leute blöd von der Seite anzulabern? Doch das war nur ein Test. Er wollte mein Zickenpotential und meine Schlagfertigkeit prüfen. Diese Prüfung habe ich mit Bravour bestanden. Was folgte war schwarzer Humor und ne Menge Sarkasmus. Mag ich beides. Und der Bursche ist sehr wortgewandt und weiß wovon er redet. Pluspunkte ohne Ende.

Daraufhin schilderte er die Erfahrungen, die er kürzlich mit Frauen gemacht hatte. Und was ihn daran störte. Ich folgte seinen Ausführungen mit einem breiten Grinsen. Die Frauen wollten ihn alle betüddeln, wie man bei uns hier sagt. Heißt, für ihn waschen, bügeln, kochen, putzen. Ihn in Windeseile der engeren Familie vorstellen, ihn an Weihnachten und Ostern einladen und dem Freundeskreis präsentieren. Familienanschluss also. Nach jedem gemeinsam verbrachten Wochenende gab es beinahe ein gebrochenes Herz, wenn er sich von ihr trennen musste und sie ohne ihm in die neue Woche starten sollte. Er mochte ihr nicht weh tun, fühlte sich aber an die Leine gelegt und vereinnahmt. Die Frauen klammerten sich mit Kraft an ihn, wie Ertrinkende. Ihm fehlte die Leichtigkeit und die Luft zum Atmen.

Schön! Genau das muss er von mir nicht erwarten. Ich dachte immer mit meiner Einstellung bin ich ein kariertes Maiglöckchen und finde niemals jemand, der das mögen würde. Denn ich finde, wen ich wann date und mit wem ich mich treffe und was ich dann mit demjenigen mache, wann es zu welchen Handlungen kommt…. das geht nur mich was an. Und auch wenn Teile meiner Familie mich gerne im sicheren Hafen einer festen Beziehung sehen möchten – wenn schon nicht in einer weiteren Ehe – ich strebe so eine Form der Partnerschaft nicht an. Definitiv nicht!!!

Und somit nähern wir uns immer weiter an und ich werde heute Abend mit ihm telefonieren. Selbst die geografische Entfernung von beinahe 300km, die zwischen uns liegt, macht uns keine Kopfschmerzen. Sonst hat mich schon alles, was mehr als 80km war, abgeschreckt und zögern lassen. Ich wundere mich selber. Bin echt gespannt und ein wenig skeptisch (wider Willen). Ich verdränge negative Gedanken, wie: Wo ist der Haken. Denn Gedanken werden Dinge.

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2 Antworten zu Das weiße Blatt

  1. Ruthie schreibt:

    Vielleicht bist du ja kein kariertes Maiglöckchen sondern so eins?: https://de.wikipedia.org/wiki/Schachblume

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