Der Meier – Neues von der Dating-Front

Es ist wird nicht langweilig. Das Karussell der Dates dreht sich und dreht sich. Ich schaue viel und gerne zu, kaufe mir aber keine Fahrkarten mehr (nur kostenlose Seiten). Fahre dennoch hin und wieder mal mit, wenn man mich einlädt. Und ich springe auch regelmässig ab. Immer noch rechtzeitig, bevor größerer Schaden entsteht. Bei mir und anderen.

Letztens war ich sogar ein kleines bisschen verknallt. Und die Hormone spielten verrückt, vernebelten mir das Hirn. Rückblickend kann ich das gut erkennen. Währenddessen aber nicht wirklich. Gefährlich, so eine Situation. Aber ich habe noch den Absprung geschafft. Puh…. hatte schon eine erstaunliche Eigendynamik entwickelt, das Ganze.

Es war also einmal….. Gerd, ein Mann mit extravagantem Aussehen, Typ Karl Lagerfeld, nur jünger, weniger snobistisch und mehr am Leben. Volle schneeweiße Haare, die ihm als Pferdeschwanz, mehrfach zusammengehalten von schwarzen Gummis, bis halb in den Rücken reichten. Ein etwas längeres Bärtchen, was recht bald meinem Wunsch gemäß entfernt wurde. Seinem Aussehen nach schätzte ich ihn als ins Alter gekommenen Biker ein. Und ich sollte Recht behalten.

Gerd war schon im Ruhestand, was mich nicht sonderlich störte. Er siezte mich hartnäckig, als er mich anschrieb. Und auch mein Hinweis, man dürfe sich im Internet ruhig duzen, ließ ihn nicht gleich einknicken. Er machte noch eine Weile so weiter. Schrieb mir, wie gut ihm mein Profil auf der Datingseite gefiel, wie hübsch er mich fand, wie gerne er mich näher kennenlernen würde. Er lud mich zu einem Treffen beim Kaffee oder einem Dinner ein und gab auch gleich ungefragt seine Handynummer raus, damit wir auf WA weiter schreiben konnten. Alles in allem recht sympathisch. Und, ich muss das einfach mal erwähnen, er gehörte zu denjenigen, die nicht gleich das Thema auf Bereiche unterhalb der Gürtellinie lenken. Er sendete mir auch nicht ungebeten intime Fotos von sich. Was mir leider schon recht oft bei anderen Männern passiert ist und dem Spielchen dann direkt ein Ende setzt.

Wenige Tage später, an einem Sonntag, waren wir für den Nachmittag verabredet. Es war geplant, dass er mich mit seiner A-Klasse von zu Hause abholen wollte und wir gemeinsam zum Essen in mein Lieblingslokal fahren würden. Dabei bzw. davor passierte schon etwas, was mich gleich hätte stutzig werden lassen sollen. Wir waren für 14 Uhr verabredet und er schrieb mir schon ab 12 Uhr, er wäre schon startklar und er könne es gar nicht erwarten mich zu sehen….. usw. So gegen 13:15 Uhr teilte er mir mit, er habe sich verfahren, es würde knapp mit 14 Uhr. Und ich, die sich sowieso noch duschen und umziehen wollte, war froh drum. Allerdings wohnt er nur ca. 30km von mir entfernt und ich fragte mich wo er wohl rumkurvt.  Das Ende vom Lied. Ich war noch nicht richtig abgetrocknet, unvollständig geschminkt und ganz uns gar nicht fertig angezogen, da klingelte es an meiner Wohnungstür. Und ich glaubte, es sei eine Nachbarin. Schnell zog ich mir etwas über, damit ich die Tür öffnen konnte. Und als ich einen Schritt ins Treppenhaus gemacht hatte, sah ich Gerd vor der gläsernen Haustür stehen. Mit einem strahlenden Lächeln und  einem riesigen, wunderschönen Blumenstrauß in der Hand.

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance…. sagt man. Und ich war 45 Minuten vor dem vereinbarten Termin natürlich nicht fertig. Und ich sah nicht so aus, wie ich mir das vorgestellt hatte für diesen ersten Eindruck. Weder war ich so angezogen wie geplant, noch fertig geschminkt. Das fand ich alles andere als toll. Das könnt ihr mir glauben. Doch ich machte gute Miene zum bösen Spiel und lächelte tapfer zurück, als ich auf den Türöffner drückte.

Ich bin nun mal nicht der Typ, der Ärger runter schluckt. Und so konnte ich nicht umhin ihm klar zu machen, dass ich alles andere als begeistert war, dass er mich ausgerechnet beim ersten Treffen so überfallen hatte. Ausgemacht war, er hält mit dem Auto vor dem Haus, funkt mich per WA an und ich komme raus, steige ein und wir fahren los.

Nun saß er mit schlechten Gewissen in meinem Wohnzimmer. Bisschen tat er mir auch leid, aber ich wollte so nicht anfangen und ihn im Glauben lassen, alles sei wunderbar. Das wäre nicht ich.

Im Laufe des Dates schaffte er es aber meine Laune wieder auf Vordermann zu bringen. Und bald hatte ich ihm verziehen und meine Laune war wieder gut und entspannt.

Wir konnten uns bestens unterhalten, hatten ne Menge zu lachen. Die Atmosphäre war flirty. Er sah in natura besser aus, als auf den Fotos, die ich von ihm gesehen hatte. Natürlich ein echter Hingucker mit der weißen Haarpracht. Das heisst, auch auf der Straße schauten uns Leute hinterher.

In den folgenden Tagen gab er dann so richtig Gas. Er schrieb und rief an und ließ nichts aus. Machte Komplimente und schwärmte mir einen vor. Er hatte Ideen für gemeinsame Urlaube und Wochenendausflüge, die mir mehr als nur gut gefielen. Ich war hellauf begeistert. Zum Beispiel ein Urlaub in Schottland mit einem sogenannten Zigeunerwagen. Zweispänner davor. Und er kann mit Pferden umgehen. Alleine würde ich mir das nicht zutrauen. Oder ein Wochenende in Hamburg mit einem Besuch im Musical „Tina Turner“. Alles so Sachen, die genau nach meinem Geschmack wären. Und diese Vorschläge kamen spontan von ihm. Ich war voll geflasht. Sowas hatte ich noch nicht erlebt.

Ende der zweiten Woche lud er mich zu sich nach Hause ein. Wie ich erfuhr, hat er seine komplette Wohnung dafür einer Grundreinigung unterzogen. Sonst herrscht da auch nicht gerade das Chaos, aber eben eine gewisse „Junggesellen Ordnung“. Er hatte zwei Sträuße Tulpen gekauft. Gelbe und violette. Die ersten Blumen, die diese Wohnung je gesehen hat, seit er da wohnt. Und das sollen wohl schon annähernd 5 Jahre sein.

Er hatte für mich gekocht (Kartoffelsalat mit Würstchen) und eine Auswahl an Säften und alkoholischen Getränken eingekauft. Er wusste ja nicht, was ich mag und was nicht. Er wollte einen schönen Abend mit mir verbringen und sagte ausdrücklich, ich könne gerne bei ihm übernachten ohne fürchten zu müssen, dass er mich irgendwie bedrängt. Alles kann, nicht muss. Und so hatte ich mal ein kleines Übernachtungstäschchen gepackt. Was dann auch zum Einsatz kam.

Ich fand schön zu sehen, wie ihn die Begegnung mit mir inspiriert. Aber es machte mir auch beinahe Angst, wenn er nach wenigen Tagen davon sprach, dass er mich liebt. Liebe auf den ersten Blick. Er nahm Kontakt zur Hausverwaltung auf um einen zweiten Satz Schlüssel für seine Wohnung zu bekommen. Für mich. *schock-schwere-Not* Ich sagte ihm klar, dass ich das nicht will. So lange nicht, bis auch ich ihm einen Satz Schlüssel meiner Wohnung anvertrauen würde. Und das könnte noch ganz gewaltig lange dauern. Darüber war er traurig. Hm, da musste er leider durch………………tbc

 

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