Und dann war da noch Maik….

…mit dem ich bereits seit Mai 2018 chatte. Unregelmässig zwar, aber er ist stets nett, freundlich, unterhaltsam. Und wir haben wohl ein ähnliches Lebensmodel im Kopf. Nachdem wir beide mit vergangenen Beziehungen und Ehen auf die Nase gefallen sind, wollen wir uns absichern. Wir operieren nur noch mit einem Seelen-Schutzanzug.

Das heisst, keine Versprechen und Schwüre. Liebesschwüre schon gleich gar nicht. Und auch keine echten Verpflichtungen mehr. Das ist dann die vielbeschriebene und beklagte Unverbindlichkeit von Online Bekanntschaften. Wir möchten gerne Zeit mit einem Menschen unserer Wahl verbringen – sogenannte quality time. Alles kann, nichts muss. Jeder behält seine Wohnung und sein Lebensumfeld, kein Umzug. Man verbringt so viel Zeit zusammen, wie man will. Manchmal wenn die Wogen der Leidenschaft (Liebe?) hoch schlagen, können das auch Wochen sein. Andermal will einer oder wollen beide auch ne Woche oder mehr ihre/seine Ruhe vor dem jeweils anderen. So der Plan, der beiden gut gefällt. Wäre jetzt also mal die Live Begegnung nötig. Denn die hatten wir noch nicht. Klar, glaubhafte und aussagekräftige Fotos wurden ausgetauscht und noch nicht mal unkeusche. Wtf?? (kicher…. so unschuldig gehts nicht immer zu)

Und nun kam der letzte Dienstag. Maik meldete sich nach einigen Wochen der Funkstille wieder mal. Es war der Neujahrsabend und er wünschte mir ein frohes Jahr 2019. Ich dachte mir nichts dabei und antwortete keck, dass wir es uns ja für 2019 mal auf die Agenda schreiben könnten, ein Live Treffen auf die Reihe zu bringen. Womit ich nicht rechnete, er war bereits für den Arbeitsbeginn am 02.01.19 aus Brandenburg angereist und rief vom Hotel aus an. Huch??!! Klar, dass er sagte: „Dann los. Ich gebe dir meine Hoteladresse.“ **kreisch*** Das hat man davon, wenn man forsche Sprüche wie Silvester Raketen abfeuert.

Ich verfiel gleich in den Abwehrmodus und beteuerte heute schon vollständig verplant zu sein. Langfristige Verabredung usw. nicht mehr möglich abzusagen….. wichtig, wichtig! Die Wahrheit sah so aus, dass ich im Freizeit-Schlabber-Look auf der Couch saß, ungeschminkt mit Haaren, die dringend nach Wäsche & Styling verlangten. Draussen kalt und regnerisch, drinnen warm und kuschelig, Kerzenschein und Lichter des Weihnachtsbaumes, Glas Rotwein vor meiner Nase usw.

Aber Maik blieb am Ball. So vereinbarten ein Treffen für den übernächsten Abend. Und da ich die Strecke zu dem Ort kenne, wo er in einem Hotel für Monteure residierte, und ich keine Lust auf nächtliche Fahrten über die kurvenreiche Landstrasse hatte, lud ich ihn zu mir ein. Zu mir nach Hause. (Au weia!!!! Ganz schön mutig für ein erstes Treffen. Aber es fühlte sich eben da schon an, als würden wir uns Jahre kennen.)

Ratz fatz war es Donnerstagabend. Und mir ging einigermaßen die Düse. Nervös und gespannt. Es klingelte auf die Minute genau zum vereinbarten Zeitraum an meiner Tür. Und da stand er. Rote Rosen und eine Flasche Wein in der Hand. Und ich wusste gleich:

Das ist er nicht, der Mann meiner Träume.

Ganze 20 Minuten habe ich gebraucht um ihm das möglichst schmerzfrei, höflich und nachvollziehbar zu verklickern. Wir hatten beide im Gespräch den berühmten Stock im Arsch. Es holperte so vor sich hin, das Gespräch. Nervöses fast forward, Schnellspulen von bereits besprochenen Themen nur um eine geeignete Stelle zu finden, wo man hätte den Anker auswerfen können. Über Arbeit und Karriere , über Kinder und Familie, über Sport, Freizeit und Weihnachten, Silvester, den Jahresbeginn. Ich nahm mir irgendwann ein Herz und sagt: „Maik, das mit uns, das passt einfach nicht. Ich kann es nicht erklären.“

Endlich stand er von der Couch auf und trat den geordneten Rückzug an. Puh!!!!!!!! Ganze Geröllhalden polterten von meinem Gewissen. Und ich habe was gelernt: Nie mehr ein first date bei mir zu Hause.

Und da verlor sich die Spur. Keiner hörte jemals wieder vom anderen.

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4 Antworten zu Und dann war da noch Maik….

  1. Ich finde, es bestätigt sich immer mehr. Dass es meist gar nicht gut endet, wenn man sehr lange vor einem ersten Treffen schreibt. Da kommen dann leider sehr schnell falsche Erwartungen auf und man macht sich sein eigenes Bild von der anderen Person, das nichts mit der Realität zu tun haben muss. Ich hatte das auch ein paar Mal schon, dass man sich beim Schreiben über längere Zeit super verstanden hat und sich schon leichte (oder große) Hoffnungen regten, man flirtete und anzüglich schrieb, und dann kam das erste Treffen und man fragte sich, ob man nicht mit einem ganz anderen Menschen geschrieben hatte. Keine Anziehung, keine Chemie, nichts.
    Außerdem werde ich skeptisch, wenn es lange nach dem ersten Schreiben noch zu keinem Treffen gekommen ist. Ich vermute dann gleich, dass er entweder sehr schüchtern, datingtechnisch unerfahren oder im Grunde vergeben oder schlichtweg feige ist. 🤣
    Aber natürlich trotzdem sehr schade, dass es so gekommen ist. 😕

    • chinomso schreibt:

      Hach… was für ein schöner Kommentar. In der Länge und in der Breite (Inhalt) 😎 schlägst du alle Rekorde. Ich freue mich.

      Was den Maik angeht…. ja, ich werde das nicht mehr so lange hin ziehen. Er hatte vorher schon den einen oder anderen Anlauf gemacht, aber immer sowas gesagt wie: „Ich komme zum Kuscheln vorbei.“ und nööö, das wollte ich nicht. Nicht ohne vorherige Sichtkontrolle. Und auch deshalb nicht, weil mein Bauch Abwehr signalisierte.

      Zukünftige höre ich noch mehr auf meinen Bauch. Der ist schlauer als mein Hirn. (🧐 Ist das jetzt ein vernichtendes Urteil für mich selber?😂)

  2. martinacarmenluise schreibt:

    Oh, ich kann meinem Vorredner LLL nur Recht geben. Man kann sich in Buchstaben echt verknallen, völlig irrational, doch der Faktor Realität ist doch essentiell für’s echte Leben. Beschnuppern und sich gut riechen können ersetzt kein Text, auch wenn jede Nachricht erstmal den Puls beschleunigt. Ich plädiere für den schnellen Wechsel von lesen zu hören zu sehen.
    Hieß der Mechaniker echt Maik? Da geht bei mir gleich ne rote Lampe an 😉

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