In der Änderungsfleischerei

Manche Menschen gehen zum Änderungsfleischer, legen sich unters Messer für besseres Aussehen oder auch für die Gesundheit. Und immer mehr lassen sich den Magen kleiner nähen. Das ist eine sehr radikale, aber auch sehr wirkungsvolle Methode, Gewicht los zu werden. Ich kenne eine Frau, die hat sich auf diesem Wege von mehr als der Hälfte ihres Ausgangsgewicht befreit, das allerdings auch bei Ü200kg lag. Sie hat dadurch unheimlich viel an Lebensqualität zurück gewonnen. Nicht nur äußerlich hat sie sich wirklich sehr verändert. Dieser Schritt hin zur Magen-OP hat sie geradezu zurück ins Leben gebracht, denn ihre Verfassung vorher war genau genommen auf lange Sicht lebensbedrohlich. Ich freue mich für sie und bewundere ihren Mut.

Nachdem sich nun eine gute Freundin von mir ebenfalls entschieden hat, diesen Weg einzuschlagen, hatte ich mir die  Frage gestellt: Könnte das auch meine Lösung sein?

Klar, ich will endlich viel und dauerhaft abnehmen und das am besten so schnell und sicher wie möglich. (mit sicher meine ich in dem Fall, dass die Methode der Abnahme wirklich erfolgreich sein sollte). Ich bin also ernsthaft in mich gegangen und habe alle mir bekannten Aspekte einer solchen OP beleuchtet und für mich auf den Prüfstand gestellt. Und meine anfänglichen Bedenken haben sich vervielfältigt je länger ich drüber nachgedacht habe. Fazit: Ich tue das auf keinen Fall!!!

Jetzt, wo ich diese Zeilen hier schreibe, zwickt es mir gleich im Magen. Kein Witz! So sehr geht mir das Thema unter die Haut. Und wenn auch mein Hirn JA zu einer OP sagen würde (was es definitiv nicht tut), mein Magen schreit sofort um Hilfe, indem er sich zwickend und grummelnd bemerkbar macht. Gut so. Wie wir alle wissen, ist das sog. Bauchgefühl immer ein zuverlässiger Helfer. Und man sollte darauf hören.

Meine Einstellung zu operativen Eingriffen ist und war immer schon die, dass ich nur das machen lasse, was einfach unumgänglich ist. Da wo es keinen anderen Ausweg gibt, um Schaden von mir abzuwenden, da lege ich mich dann notgedrungen unters Messer.

Ebenso sehe ich die Einnahme von Medizin. Was zu vermeiden ist, bleibt draussen. In meinem Apothekenschränklein im Bad ist – dem Himmel sei Dank – außer einem leichten Schmerzmittel, einer Wundsalbe und Nasentropfen so gut wie nix. Das war immer so, das ist so und das bleibt so, wenn man mich fragt und solange ich das bestimmen kann.

Nochmal zurück zur Änderungsfleischerei – ich bin der Überzeugung, dass die meisten übergewichtigen Menschen keine wirklich organischen Ursachen für ihr Übergewicht beklagen müssen. Es sind seltener Probleme mit der Schilddrüse oder andere Krankheiten, die das Übergewicht verursachen. Meist sind seelische Gründe für die Gewichtszunahme verantwortlich. So wie einige Leute saufen, wenn sie Kummer haben. Genauso gibt es reichlich Menschen, die essen mehr als ihnen gut tut in Zeiten von Herzeleid, dem Gefühl unzulänglich zu sein, Angst, Einsamkeit, Unsicherheit, Stress und Langeweile.

Und ich bin so ein „Leut“. Geht es mir schlecht, dann muss ich essen um eine Verbesserung meiner Stimmung zu erzielen. Das ist unklug. Ich weiß das. Aber ich arbeite daran. Seit einigen Wochen schon gelingt mir das immer besser. Ich bin weniger streng mit mir. Mehr und mehr kann ich mich annehmen, wie ich bin und lerne mich zu lieben. Das fühlt sich sehr, sehr gut an. Das könnt ihr mir glauben. Und weil das so ist, mache ich jetzt so weiter. Auf diese Weise entgehe ich dem Messer.

Ich liebe mich schlanker. Und das kann ich, weil ein sehr guter Freund mir die Augen geöffnet hat und an mich glaubt. Er meint: Ich schaffe das auch ohne OP. ❤️

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4 Antworten zu In der Änderungsfleischerei

  1. iarexx schreibt:

    Interessant, seit 2009 führst Du diesen Blog, noch viel mehr Jahre hast Du damit verbracht ab- und wieder zuzunehmen. Deine Erfolgsbilanz entspricht so ziemlich der von 99% Adipösen die versuchen konservativ abzunehmen. Egal welche Ernährung, wieviel Sport, die Chancen dauerhaft signifikant abzunehmen sind statistisch gesehen verschwindend gering. Trotzdem geben wir immer wieder den Adipösen und nicht den diversen „Methoden“ die Schuld.. was für ein prima Geschäft für die Abnehmindustrie. Statistisch betrachtet ist ein bariatrischer Eingriff die einzige wirklich erfolgversprechende Therapie für Adipositas. Die Entscheidung muss letztendlich jeder Adipöse selbst für sich treffen, aber rein statistisch gesehen ist es nicht eine Entscheidung zwischen konservativer oder operativer Abnahme, sondern zwischen Abnahme oder Nicht-Abnahme. Und auch diejenigen die sich einer bariatrischen OP unterziehen müssen ein Leben lang kämpfen, damit die Kilos auch wirklich weg bleiben. Geschenkt wird einem nichts.

    • chinomso schreibt:

      Danke für deinen Kommentar. Klingt so, als wenn du dich auskennst, entweder aufgrund deines Berufs oder eigener Erfahrung.

      Und richtig, die Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.

  2. Madame Graphisme schreibt:

    Der Ausdruck „Änderungsfleischerei“ hat mich sehr, sehr begeistert. Ich mag schöne oder seltsame Worte und das hier trifft beide Kategorien punktgenau.

  3. cabernetblog schreibt:

    Ich erkläre mich auch ganz begeistert von dem Ausdruck „Änderungsfleischerei“. Was für eine hinreißende wortschöpfung!

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