Losing in public

Bei meiner morgendlichen Blogrunde bin ich bei Puja auf dieses Thema gestoßen und habe mir anschließend mal Gedanken drüber gemacht. Warum mache ich das? Wieso schreibe ich öffentlich in einem Blog über meine Abnahme?

Früher, aber vor eigentlich garnicht so langer Zeit, habe ich immer ein Geheimnis aus meinem Gewicht gemacht. Es war mir mehr als peinlich und ich war der Meinung, das geht keinen was an. „Privat!! Bis hier hin und nicht weiter.“

Schlimm genug, dass es so hoch war, wie es war. Besser ich verschließe selber auch mal die Augen davor. Denn es war ein Thema, was ich gerne verdrängt habe. Auf mein Gewicht angesprochen wiegelte ich ab und verwies auf wichtigere Dinge. Nicht mal meinen(m) Liebsten wollte ich verraten, was ich wog. So sehr habe ich mich geschämt.

Heute weiß ich, es war wie bei einem Kleinkind was sich die Augen zu hält und glaubt, dann selber auch nicht gesehen zu werden.

Ich würde, wenn mich heute einer fragt, jedem nur raten, so offensiv wie möglich damit umzugehen. Und auf jeden Fall sich selber gegenüber den Ist-Zustand mal ganz offen und sehr kritisch unter die Lupe zu nehmen. Bei mir hat es viel zu lange gedauert, bis ich das begriffen hatte. Verlorene Zeit.

Klar, keiner muss damit hausieren gehen. Das muss nicht sein. Aber sich selber gegenüber ehrlich zu sein, das halte ich für zwingend nötig. Nur so kann man erfassen, wie kritisch die Lage ist. Ich rede jetzt nicht von Leuten, bei denen die Größe 38 am Hosenbund kneift und die gerne 3kg abnehmen wollen.

Der Austausch mit Gleichgesinnten (ich will sie nicht Leidensgenossen nennen) bringt mir sehr viel. Ich erkenne mich überraschend oft wieder in dem, was andere schreiben. Und dann weiß ich: Hey, du bist nicht alleine in deinen Bemühungen.

Das gilt für Erfolgsstories und auch für Berichte aus dem tiefen, tiefen Tal der Niederlagen. Dass es jedem so geht, das beruhigt mich.

Bei WW habe ich erst nur bei anderen gelesen, aber dann auch angefangen zu schreiben. Und ich wurde Teil der Community. Seit meiner Teilnahme am Avon Frauenlauf in Berlin weiß ich, dass mich die Gemeinschaft Gleichgesinnter wirklich voran bringen kann. Ich habe versprochen nächstes Jahr wieder dabei zu sein. Und das ist ein Versprechen, was ich halten möchte.

Hätte ich weiterhin mein Gewicht verschwiegen und im stillen Kämmerlein alleine meinen Speck bekämpft, dann wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Mag sein anderen geht es nicht so, aber mir gibt das „losing in public“ viel. Ich brauche das Feedback, denn es macht mir Mut.

Und da ich viele Rätsel um mein Leben schon schreibend gelöst habe, werde ich weiter machen. Aufschreiben um zu begreifen. Abnehmen in der Öffentlichkeit meines Blogs.

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11 Antworten zu Losing in public

  1. fearlesscreek schreibt:

    schön beschrieben! ich komme zum gleichen ergebnis! danke übrigens auch für die verlinkung auf deiner seite. ich werde mir demnächst mal zeit nehmen und meine favoriten in einer linkliste zusammentragen… hab noch etwas geduld! ich wünsch dir einen schönen restsonntag! ( ich bin gerädert und kann vor müdigkeit nichts tun…also lasse ich das studium diese woche ausfallen und versuche mich zu regenerieren für die nächste stressige woche….. glg, deine puja

  2. fehlerling schreibt:

    Ich stimme dir voll und ganz zu. Wenn du merkst, du bist nicht alleine mit deinen Problemchen, dann ist es schon ein Stück weit einfacher. Aber jetzt kommt das eigentlich Spannende: Wird mein Hühnchen auch hier auftauchen…? Wir können gespannt sein… *trommelwirbel*

  3. fehlerling schreibt:

    Es wird!! 😀

  4. fehlerling schreibt:

    Wie? Mein Kommentar muss noch moderiert werden? Da bin ich aber mal gespannt… *wiederfingertrommel*

  5. Gazellenpfad schreibt:

    Schön, das Hühnchen und dich hier zu finden. Ich musste gerade mal meinem Mann vom Einpennen abhalten. Er wollte Fußball schauen und seine Augen gingen immer zu. Armer Kerl.

    Jetzt geht hier aber auch gleich das Licht aus. Morgen ist wieder Alltag. **puh**

  6. Himmelhoch schreibt:

    Ich wusste nicht, ob ich das Stück Wolken am Himmel der richtigen Person zuordne, bis ich diesen Satz las: „Seit meiner Teilnahme am Avon Frauenlauf in Berlin weiß ich, dass mich die Gemeinschaft Gleichgesinnter wirklich voran bringen kann.“ – Pst, ich schweige wie ein Grab!

    • Gazellenpfad schreibt:

      Clara und schweigen wie ein Grab? Das ist nicht kompatibel. Oder?
      Außerdem gibts hier kein Geheimnis was es zu wahren gilt.

      Aber schön, dass du dich hier hin verirrt hast.

      • Himmelhoch schreibt:

        Mit dem ersten Satz irrst du sehr. Sachen, die mir anvertraut werden mit Geheimhaltungsauftrag, bleiben auch bei mir. – Und auch über mich erzähle ich nur sehr gesteuert.
        Ich war einfach neugierig, ob DU dahinter steckst oder ob es zufällig der gleiche Avatar ist – sehr unwahrscheinlich.
        Halte durch – ich habe das Gefühl, ich sammle von allen die überflüssigen Pfunde bei mir.
        Mit Gruß von Clara

        • Gazellenpfad schreibt:

          Oh, Mißverständnis. Ich hatte das ganz anders gemeint, nicht auf Geheimnisse bezogen sondern eher auf dein Mitteilungsbedürfnis. Daher meine Zweifel. Denn still wie in einem Grab gehts in deinem Blog ja sehr selten zu.

          Und das mit den Pfunden…. das kann bei dir nur Flugfett sein. Das kommt und fliegt wieder weiter. Glaub mir. Sowas gibts. 🙂

  7. weekswithout schreibt:

    was für ein schöner Beitrag! und im Grunde ist es doch fast ein bißchen verrückt: man will nicht über sein Gewicht reden – aber man fühlt sich wohler, wenn man die Sorge darum teilen kann… wir Menschen sind ab und zu ganz komische Tiere….

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