Unterbewusstseins-Störfeuer

Irgendwas stimmt nicht. Und das schon seit Ende Juli.

Damals, am 20.07., war ich auf einem absoluten Gewichts-Tiefstand. Einen einzigen Tag lang war ich bei einer Abnahme von 23,6kg. Ich ging vor Freude ab wie Rakete. Und das ist immer mein Verderben. Wenn ich mich so freue, dann flippe ich regelrecht aus. Und vor lauter Übermut und Stolz auf das, was ich geschafft habe, lass ich mal alle Fünfe gerade sein. Leider sind es diesmal nicht alle Fünfe gewesen, sondern alle Fünfzig. Oder so…..

Jedenfalls bin ich auf die schiefe Bahn geraten. Mitten aus dieser übermütigen Stimmung heraus bin ich in alte Verhaltensmuster verfallen. Ich habe wieder Käsescheiben und Wiener Würstchen aus dem Kühlschrank gepflückt und mir neben den Mahlzeiten mal eben so in den Mund geschraubt. Legger!! Bisschen Reue hinterher aber nicht wirklich dramatisch viel. Ich redete mir ein

       Einmal ist keinmal,
zweimal ist Kinderspiel,
dreimal ist auch nicht viel.

Und dann? Wie ging es weiter? Ich befand mich in einem Labyrinth und fand den Weg heraus nicht mehr. Aber ich redete mir immer ein. „Ach was, keine Sorge. Gleich hinter der nächsten Kreuzung findest du auf den rechten Weg zurück.“ Und das ist typisch für mich. Ich will sowas immer alleine schaffen. Blos nicht jemanden fragen oder um Hilfe bitten. Ich doch nicht! Ich pack das alleine. Weiß doch, wie es geht!

Und weil die Waage mehr anzeigte, ging ich nicht mehr ins Treffen. Wollte ich doch die Blamage umgehen und mir nicht so ein scheiß hohes Gewicht ins Teilnehmerheft eintragen lassen. Hieße das doch ein Versagen zu visualisieren. Ich wollte es nicht wahrhaben, mir nicht die schöne Statistik versauen. Dann lieber Vogel-Strauß-Politik.

Und da waren sie wieder, diese Stimmen (also bildlich gesprochen, keine Angst, ich höre nicht wirklich Stimmen), die erst ganz leise und dann immer lauter riefen:
Ach, jetzt ist es auch schon egal. Der Zug ist abgefahren.

Solche Gedanken sind mir durchaus bekannt. So hat es immer angefangen. Das war zu allen (meinen dicken) Zeiten der Anfang vom Ende. Und immer habe ich diesen Stimmen erlaubt, lauter zu werden und alles andere zu übertönen.

Engel und Teufel kämpfen unerbittlich. Man kann gerade nicht voraussagen, wer gewinnen wird. Ich stecke mitten drin im Kreuzfeuer. Mir fliegen gerade die Kugeln um die Ohren.

Der Engel auf meiner einen Schulter beschwört mich: „Mach weiter. Gib jetzt um Himmelswillen nicht auf. Du hast soviel erreicht. Schau dich doch mal an. Und? Fühlst du dich nicht auch viel besser als noch vor einem Jahr? Denk an deine Gesundheit. Früher oder später würde das Übergewicht auch deine bisher eiserne Gesundheit angreifen. Willst du das riskieren? Findest du es nicht ganz wunderbar wieder agiler und leistungsfähiger zu sein? Nicht umsonst machen dir Kollegen, Freunde und Bekannte Komplimente bezüglich deiner Abnahme und dem besseren Aussehen. Komm, ich weiss doch, dass dir das gefällt. Also weiter so. Lass dich nicht hängen. Gib Gas!“

Der Teufel auf der anderen Schulter setzt entgegen: „Komm, das reicht doch jetzt auch. Aussehen ist nicht alles. Pascal hat auch schon gesagt, dass es nun bald genug ist. Er meint, du wirst immer weniger und gerade da, wo er die Rundungen so gut findet. Also? Warum nicht jetzt schon aufhören? Außerdem bist du doch gesund, kein hoher Blutdruck, keine Rückenprobleme, keine Diabetes. Alles okay. Kein Grund sich das alles anzutun. Du liebst doch schönes Essen und genießt auch gerne einen guten Wein dazu. Willst du wirklich auf leckere Sahnesoßen verzichten und dich von deinem Wein am Wochenende verabschieden? Und gibs zu, die Punkezählerei geht dir schon lange auf die Nerven. Das ist doch alles nicht normal. So ein Affenzirkus. Hast du das nötig?“

Und ich lausche mal nach rechts und dann wieder nach links. Und die Gedanken schwirren in meinem Kopf herum. Und wenn ich nicht weiß, was ich tun soll, dann schmier ich mir ein Brot. Egal, ob ich Hunger habe oder nicht. Allerdings weiß ich hinterher immer noch nicht mehr.

Und dann betätige ich mich wieder als Hobby Psychologe.
Wo liegen die Ursachen?
Was fehlt mir?
Warum kann ich nicht einfach das tun, was gut für mich ist?
Wieso kann ich nicht einfach dem Plan folgen, der in meinem Kopf vorliegt und den mein Verstand als gut und richtig befunden hat??
Hab ich ne Macke?
Schaff ich das alles ohne Hilfe von außen?
Sollte ich vielleicht auch mal einen Psychologen aufsuchen? So wie viele andere?

Fragen über Fragen. Und die Antworten sind zwar da, aber es sind viele Puzzleteile, die nicht wirklich gut zusammen passen.

Ob ich das noch mal hinkriege??

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10 Antworten zu Unterbewusstseins-Störfeuer

  1. ♥Perle♥ schreibt:

    komisch.. in feedreader war der beitrag verschwunden.. gehe ich aber direkt auf die seite ist er wieder da.. also hat sich meine frage aus dem andern kommentar erübrigt 🙂
    mausel lass dich nicht unterkriegen.. kneif jetzt mal den poppes zusammen und dann geht es wieder weiter.. ich leg nach dem urlaub auch wider los .. dann werden wohl meine kränkeleien auch endlich vorbei sein.. und ich hoffe in prag laufe ich mir auch ein paar gramm ab.
    vielleicht habe ich ja bald einen personal trainer *g* lg ..

  2. marie418 schreibt:

    Iris, das ist doch normal, mal schlapp zu machen auf einem langen Weg. Nur gib nicht auf, wie würdest du dich denn fühlen, wenn alles wieder so wie vorher wird? Die Hintergründe sind doch eh immer die alten, Essen war Trost in der Kindheit, gab Vergnügen und das Gefühl der Geborgenheit … und das sind alte Muster, die eingefressen sind, Synapsen, die sich nicht gerne umerziehen lassen. Wenn du dich jetzt dagegen stemmst, dann ist es wohl für lange vorbei.

    Such einfach mal das Gefühl der Ungeborgenheit in dir, da wird sich sicherlich einiges finden lassen. Ausserdem ist die Fettschicht auch ein Schutz … da kannst du auch was tun, dich fragen, wozu du dich schützen musst und woher das wohl kommt. Du brauchst keinen Psychologen, sondern einfach nur dich selbst.

    lg
    Marie

    • chinomso schreibt:

      Danke für deinen Zuspruch, Marie.

      Ich therapiere mich immer schon selber und komme damit mehr oder weniger gut zurecht. Aber irgendwo sind eben doch die Schwachstellen, die jeder hat und die sich bei jedem anders äußern. Ich habe da schon so einige Ideen.

      Dennoch ist es faszinierend, wenn ich bedenke, dass wir alle unseren Körper formen können. Mit unserem Willen. Wenn er nur stark genug ist.

  3. ♥Perle♥ schreibt:

    hallo liebe iris..
    ich bin aus prag zurück und habe mir gleich ein paar staropramen und knödel um die hüften gelegt.. nun hab ich etwas zugenommen und muss mich auch wieder motivieren.. aber wir kriegen das schon wieder auf die reihe :-))) was macht der wildhüter? klappt das coaching *zwinker* .. glg ute

  4. paradalis schreibt:

    Ich habe eine Idee, liebe Iris!
    Immer, wenn du zum Kühlschrank gehen willst, oder dir etwas anderes, außer der Reihe zum Essen holen möchtest, gehst du stattdessen in die andere Richtung, nämlich zum Telefon, und rufst mich an.
    Dann rede ich dir das schon aus!
    🙂

    Aber du bist ja, laut Eintrag vom Oktober, wieder auf der genau richtigen Linie. So Zweifel gehören dazu, der Mensch ist nun mal schwach und die Verlockungen lauern überall!

    Ich finde es toll, wie du immer wieder zu deinem Ziel zurückfindest, und wenn doch mal nicht, dann … du weißt schon, greif zum Telefon!
    🙂

    Liebe Grüße an dich und Pascal!

  5. paradalis schreibt:

    Nein nein, das meinte ich völlig angstfrei ernst!!
    🙂
    Also mach ruhig ernst, wenn dir danach ist!

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